MENGEN/GÖGE/SCHEER Montag, 30. Juli 2012
 
     
 

Bareiß sieht Eltern in Verantwortung

 
 

Bundestagsabgeordneter erklärt sich zu einem Tag „Kindergartendienst“ bereit

 
   
 

Bareiß sieht Eltern in Verantwortung (Foto: Sabine Herforth)

 
 

Von Sabine Herforth

 
 

SCHEER Der Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß besuchte am Freitag im Rahmen seiner Sommertour die Gemeinde Scheer und das dortige Kinderhaus „Sonnenschein“. Bürgermeister Jürgen Wild nutzte die Gelegenheit das Thema Betreuungsgeld anzusprechen. Eine politische Entscheidung in Sachen Betreuungsgeld soll erst nach der Sommerpause fallen. „Im Gegenzug wird gesagt, Eltern haben einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Das ist für uns eine ungeschickte Situation“, so Bürgermeister Jürgen Wild.

I
n Scheer wurde als Erstes im Landkreis auf die neue Rechtslage reagiert und eine Krippe gebaut. „Wir haben nicht gewusst, was uns da hinterher noch einholt“, so Wild. Nun stehe man vor vielen Fragen, die auch in den nächsten Wochen wohl nicht geklärt werden können. Wie sieht die Personallage nach einer Elterngeld-Entscheidung aus. Wird es einen Personalüberhang oder vielleicht einen Mangel geben?

Auch der Unterhalt für die Krippe von jährlich circa 400 000 Euro sei für eine Gemeinde wie Scheer nicht zu verachten, insbesondere wenn nun die Gefahr besteht, dass die Krippe nicht ausgelastet ist. „Die Bundesregierung sagt, dass wir einen großen Betreuungsbedarf für Kinder unter drei Jahren haben“, entgegnete Thomas Bareiß. Die Themen Familie und Beruf müssen vereinbar sein, deshalb habe der Bund vier Milliarden Euro in einen Topf geworfen, um neue Krippenplätze mit 30 Prozent finanziell zu fördern.

Das Geld solle aber nicht allein in außerfamiliäre Betreuung fließen, sondern auch in innerfamiliäre Kinderbetreuung. „Deshalb kommt jetzt das Betreuungsgeld“, erklärte Bareiß. Streitpunkt unter Politikern sei nun unter anderem, ob die Geldleistung dann bar ausgezahlt werden solle. Die Mehrheit der CDU-Fraktion spreche sich dafür aus. „Wir sehen schon, dass die meisten Eltern das Kindeswohl im Blick haben“, begründete er. Er glaube nicht, dass der finanzielle Anreiz ausschlaggebend sein wird, dass Eltern ihre Kinder aus dem Kindergarten nehmen, antwortete Thomas Bareiß. „Ich habe große Bedenken, das wird so sein“, widersprach Kindergartenleiterin Simone Doser.

Schon jetzt würden einige wenige Kinder unregelmäßig gebracht werden. Dabei ginge es meist um Kinder, für die die Zeit im Kindergarten besonders wichtig und wertvoll sei. Das Betreuungsgeld, befürchtet Doser, könnte die Kluft zwischen sozial schwachen und besser gestellten Familien weiter auseinandertreiben. „Mir wäre lieber, dass das Geld, das man den Eltern anbietet, in die Einrichtungen einbringt“, so die Kindergartenleiterin.

Um ihre Position zu verstehen, lud sie Bareiß spontan ein, vier Wochen im Kindergarten zu arbeiten, um nachzuvollziehen, wie wichtig es für kleine Kinder ist pädagogisch betreut und gefördert, aber auch mit Gleichaltrigen zusammen zu sein. „In welcher Gesellschaft leben wir denn, wenn wir den Eltern die Verantwortung abnehmen?“, sagte Thomas Bareiß und heizte die kontrovers geführte Diskussion weiter an. „Der Erfolg zeigt mir, das ist absolut gut fürs Kind“, bestritt Doser. Im Kindergarten würde nicht einfach einige Stunden auf die Kinder aufgepasst, sondern diese von pädagogischem Fachpersonal betreut.

„Es sind immer die, die sozial schwach sind, die sich ausklinken“, gab Doser zu bedenken. Im Kindergarten in Scheer betreffe dies circa die Hälfte der sozial Schwachen, die wiederum etwa ein Viertel aller Kinder ausmachen, rechnete Doser vor. Das seien zwölf Prozent, die nicht regelmäßig kommen, schlussfolgerte Bareiß, sodass bei 85 Kindern jedes achte betroffen sei. „Es geht mir nicht um jedes achte Kind, es geht mir um jedes Kind“, konterte Simone Doser in scharfem Ton. Sie wiederholte ihre Einladung, forderte den Politiker auf, ihr wenigstens eine Woche über die Schulter zu schauen.

Er sei dennoch der Meinung, dass die Kinder in den ersten zwei bis drei Lebensjahren bei ihren Eltern gut aufgehoben seien, so der Bundestagsabgeordnete. „Dann darf ich keine Kinderkrippenplätze einrichten“, schlussfolgerte Bürgermeister Wild. „Ich will eine echte Wahlfreiheit“, entgegnete Bareiß.

Schließlich ließ er sich von Simone Doser dazu überreden, einen Tag im Kindergarten zu verbringen, um dem Fachpersonal bei der Arbeit zur Hand zu gehen und Einblick in die Einrichtung zu bekommen.

 
     
 
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