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Soziales Baden-Württemberg
Baden-Württemberg ist ein Land des Miteinanders und
des sozialen Ausgleichs. Die Menschen hier bei uns haben sich ihren
Gemeinschaftssinn und ihr Gerechtigkeitsempfinden bewahrt; wir in
Baden-Württemberg halten zusammen. Konflikte und Interessengegensätze
gibt es bei uns wie anderswo auch. Aber wir in Baden-Württemberg haben
es immer wieder verstanden, sie gemeinsam und zum Wohle unseres Landes
zu lösen.
Bei uns hat jeder seinen Platz: Alte wie Junge, Gesunde, Behinderte
und Kranke, Familien und allein Erziehende, Arbeitnehmer und
Unternehmer. Wir grenzen niemanden aus. Aber wir fordern von allen im
Interesse des Allgemeinwohls, den Beitrag für die Gemeinschaft zu
leisten, den sie zu leisten in der Lage sind und die Hilfe der
Gemeinschaft nur dann in Anspruch zu nehmen, wenn sie sich nicht
selbst helfen können. Die CDU versteht sich als Partei der
Subsidiarität. Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe, wir wollen, dass die
Menschen solidarisch untereinander sind. Beides gehört zusammen. Die
christliche Soziallehre und die Grundsätze der Sozialen
Marktwirtschaft weisen uns dabei den Weg. Wir wollen einen
Sozialstaat, dessen Anspruch und Reichweite sich nicht darin
erschöpfen, Geld zu verteilen. Wir wollen eine Gesellschaft, in der
Menschen, Gruppen und Generationen Rücksicht aufeinander nehmen. Wir
wollen eine Gesellschaft, in der alle gebraucht werden. Jeder hat das
Recht auf eine Aufgabe.
Jung und Alt sind nur gemeinsam stark
Das solidarische Zusammenleben der jüngeren und der älteren Generation
ist der baden-württembergischen CDU ein besonderes Anliegen. Alter ist
kein Verdienst, Jugend auch nicht. Wer versucht, Jung und Alt
gegeneinander auszuspielen, schadet dem Zusammenhalt in unserer
Gesellschaft. Zum Miteinander der Generationen gibt es keine
vernünftige Alternative. Junge und alte Menschen müssen unbefangen und
in gegenseitiger Wertschätzung miteinander umgehen. Nur gemeinsam
machen die Kraft der jungen Menschen und die Lebenserfahrung der
Älteren unsere Gesellschaft stark und stabil.
Wir bejahen den Generationenvertrag und befürworten deshalb eine
Reform der gesetzlichen Rentenversicherung, die älteren Menschen ihren
Lebensabend sichert, ohne die junge Generation über Gebühr zu
belasten. Wir setzen uns dafür ein, zusätzlich zur umlagefinanzierten
gesetzlichen Rentenversicherung neue Elemente der kapitalgedeckten
Altersvorsorge zu nutzen. Dabei soll es den Menschen freigestellt
sein, in welcher Form sie zusätzlich für ihr Alter vorsorgen.
Generationengerechtigkeit braucht Familiengerechtigkeit: Wer Kinder
erzogen hat, darf im Alter nicht benachteiligt werden sondern muss
dafür einen Bonus erhalten. Eine Grundrente, die viele langjährige
Beitragszahler in die Rentenversicherung mit anderen gleichstellen
würde, die nie einen Pfennig eingezahlt haben, lehnen wir mit
Nachdruck ab. Wir wollen keine Einheitsrente. Wir wollen eine gerechte
Rente für die Frauen und wir werden keine neue Altersarmut zulassen.
Ältere Menschen haben ihren festen Platz in der Mitte unserer
Gesellschaft; sie dürfen nicht an den Rand gedrängt werden. Viele von
ihnen haben ein hartes Arbeitsleben hinter sich und mussten schwere
Schicksalsschläge auf sich nehmen, zum Beispiel als Kriegsopfer,
Heimatvertriebene oder Flüchtlinge. Sie haben am Aufbau unseres Landes
großen Anteil: Dafür sind wir ihnen dankbar. Wir wollen, dass alte
Menschen ihr Leben eigenverantwortlich und selbstbestimmt gestalten
können. Ihre Erfahrungen wollen wir für die gesamte Gesellschaft
nutzen und ihnen deshalb weitere Möglichkeiten zum bürgerschaftlichen
Engagement eröffnen. Vor allem muss die ältere Generation an den sie
betreffenden Entscheidungen beteiligt werden.
Wir wenden uns gegen jede Form der Diskriminierung älterer Menschen,
auch und gerade auf dem Arbeitsmarkt. Auch ältere Arbeitnehmerinnen
und Arbeitnehmer sind zur Leistung fähig und zur Leistung bereit. Sie
müssen durch verbesserte Angebote zur Fort- und Weiterbildung in die
Lage versetzt werden, mit dem wissenschaftlich-technischen Fortschritt
Schritt zu halten und neue, zusätzliche Qualifikationen zu erwerben.
Hierbei sehen wir die Tarifpartner in einer besonderen Verpflichtung.
Baden-Württemberg ist sich seiner Verantwortung als Arbeitgeber
gegenüber seinen Mitarbeitern im Öffentlichen Dienst bewusst. Niemand
darf wegen seines Alters aus einem Beschäftigungsverhältnis
herausgedrängt werden. Wir unterstützen die bisherigen Möglichkeiten
von einem gleitenden Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand.
Wir wollen, dass ältere Menschen so lange wie möglich in ihrer
gewohnten Umgebung selbständig leben können. Deshalb kommt für uns
geriatrische Reha vor Pflege. Wir werden deshalb den begonnenen Ausbau
der ambulanten Reha weiter fortsetzen. Wir werden das vorhandene Netz
an Hilfsdiensten für ältere Menschen entsprechend des
Landespflegeplanes bedarfsgerecht weiterentwickeln. Wir werden
sicherstellen, dass Pflegebedürftige gut versorgt und betreut werden.
Die dazu notwendige Beratung wollen wir dadurch verbessern, dass wir
Beratungsleistungen konzentrieren und so zusätzliche
Beratungsmöglichkeiten schaffen. Die Beratung soll möglichst
Trägerunabhängig sein. Wir unterstützen Bemühungen, die das
Miteinander von jungen und alten Menschen fördern, zum Beispiel in den
Vereinen, in Wohnanlagen und Wohnsiedlungen und in
Mehrgenerationenfamilien.
Wir fördern die Seniorenvertretungen in Städten und Kreisen und damit
das bürgerschaftliche Engagement der älteren Generation.
Probleme, die verschiedene Generationen gemeinsam betreffen, sollen
möglichst einvernehmlich gelöst werden. Deshalb wollen wir das
Instrument der Generationenbilanzen versuchsweise einsetzen, um
Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie Nutzen und Lasten notwendiger
Reformen und Entscheidungen von Älteren und Jüngeren so gemeinsam
getragen werden können, dass keine Generation übervorteilt wird.
Wir setzen auf die leistungsbereite, aufgeschlossene und optimistische
junge Generation in Baden-Württemberg. Wir bauen auf ihr Engagement
und ihren Willen, ihre Zukunftschancen zu nutzen und damit auch unser
Land weiter nach vorn zu bringen. ”Null Bock auf Zukunft” ist Mega-out
in Baden-Württemberg. Bei uns haben junge Menschen alle Chancen, aus
ihrem Leben etwas zu machen. Wir wollen ihre Entwicklung zu
Persönlichkeiten stützen, sie vor Gefährdungen schützen und ihr
Engagement für das Gemeinwohl vertiefen. Wir sagen den jungen
Menschen: Ihr werdet gebraucht, und ihr könnt viel für euch und andere
tun. Wir wollen, dass junge Menschen mitmachen in Gesellschaft und
Politik. Deshalb haben wir die Jugendgemeinderäte in der
Gemeindeordnung verankert. Wir fordern Städte und Gemeinden auf, von
der Möglichkeit Gebrauch zu machen, Jugendgemeinderäte einzurichten.
Eine Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre lehnen wir ab; gleiche Rechte
und Pflichten sollen grundsätzlich mit dem Erreichen der
Volljährigkeit verwirklicht sein.
Die baden-württembergische CDU setzt sich für die Verstärkung der
Zusammenarbeit zwischen Schulen und außerschulischen
Bildungseinrichtungen sowie den Vereinen und der Wirtschaft ein. Wir
befürworten die Stärkung der Jugendarbeit durch verbesserte
Qualifikation der Jugendleiter und -betreuer und die besondere
Unterstützung der Jugendarbeit in den Aufgabenfeldern Medien, Umwelt
und soziales Engagement. Mentorenprogramme, in denen Jugendliche
eigene Verantwortung übernehmen, werden wir weiterhin besonders
fördern . Den Ausbau des Jugendnetzes Baden-Württemberg wollen wir
ebenso wie Investitionen in Jugendgruppenräume aus der neuen
”Zukunftsoffensive Junge Generation” heraus unterstützen.
Wir sehen die vom Ehrenamt getragene Jugendverbandsarbeit und offene
Jugendarbeit als große Hilfe, die das Heranwachsen junger Menschen
erfolgreich unterstützen. Für junge Menschen, die in den Vereinen,
Parteien und anderen gemeinnützigen Organisationen tätig sind, wollen
wir als zusätzliche Form der Anerkennung ihrer Leistungen einen
Landesjugendleiterpass einführen. Er soll zu verbilligtem Eintritt in
öffentliche Einrichtungen wie Schlösser, Museen usw. berechtigen. Wir
werden bei privaten Anbietern von Erholungs- und Freizeiteinrichtungen
dafür werben, ebenfalls Vergünstigungen für Inhaber des Passes zu
gewähren. Die CDU Baden-Württemberg setzt sich dafür ein, jungen
Menschen schon ab 16 Jahren die Möglichkeit der Absolvierung eines
Freiwilligen Sozialen Jahres und schon ab 15 Jahren eines Freiwilligen
Ökologischen Jahres zu ermöglichen.
Vorfahrt für Familien, faire Partnerschaft zwischen Männern und
Frauen
Baden-Württemberg ist Familienland; nirgendwo sonst in Deutschland
wachsen so viele Kinder in Familien auf wie in Baden-Württemberg. Die
Familie ist und bleibt unersetzbar; nur mit den Familien ist eine
menschliche Gesellschaft zu halten. Wir fordern den Bund auf, das
Kindergeld auf 400 DM pro Kind und Monat zu erhöhen und das
Bundeserziehungsgeld auf drei Jahre ausdehnen. Die Familien stehen im
Mittelpunkt unserer Gesellschaftspolitik. Wir wollen ein
kinderfreundliches Land und eine kinderfreundliche Gesellschaft, denn
Kinder sind das Beste, was wir haben.
Die Familien und die Anforderungen, die an sie gestellt werden,
verändern sich zwar ständig, aber das Zusammengehörigkeitsgefühl in
den Familien bleibt bestehen. Auch heute wünscht sich eine übergroße
Mehrheit der jungen Menschen, einmal eine Familie zu gründen und
Kinder zu haben. Familien haben Zukunft und sie brauchen Zukunft, denn
die Erziehung von Kindern ist mindestens so wichtig wie die Arbeit im
Büro oder in der Fabrik. Deshalb unterstützt die CDU Baden-Württemberg
die Familien. Wir setzen uns für die gesellschaftliche Anerkennung der
Familienarbeit ein. Die Fürsorge für Kinder, ihre Pflege und Erziehung
nutzen der gesamten Gesellschaft. Unsere Familienpolitik verstehen wir
immer auch als Beitrag zum Schutz ungeborener Kinder. Unser Ziel
bleibt die nachhaltige Verringerung der Abtreibungen in unserem Land.
Dafür werden wir werben.
Die Einkommen der Familien müssen Schritt halten mit der allgemeinen
Einkommensentwicklung. Es darf nicht sein, dass es zum Armutsrisiko
wird, Kinder zu haben und großzuziehen. Deshalb hat sich die CDU
Baden-Württemberg immer für die Verbesserung der Lage der Familien
eingesetzt. Erziehungsgeld, Erziehungsurlaub, die Anerkennung von
Erziehungszeiten in der Rentenversicherung, mehr Urlaub für die Pflege
kranker Kinder, der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz - all
dies sind konkrete Ergebnisse christlich-demokratischer
Familienpolitik. Als eines von wenigen Ländern in Deutschland zahlt
Baden-Württemberg ein einkommensabhängiges Landeserziehungsgeld; die
dafür gültigen Einkommensgrenzen wurden heraufgesetzt, ebenso der
Zahlbetrag für dritte und weitere Kinder ab dem Geburtsjahr 2001 auf
600 DM im Monat erhöht. Betriebskindergärten, deren Einrichtung wir
fördern wollen, sind ein geeignetes Mittel um den sich wandelnden
Arbeitszeiten gerecht zu werden.
Wir fordern den Bund auf, das Bundeserziehungsgeld auf drei Jahre
auszudehnen. Die CDU Baden-Württemberg spricht sich dafür aus, in
diesem Fall die beim Landeserziehungsgeld eingesparte Summe in voller
Höhe für die Förderung der Familien einzusetzen, insbesondere für
Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Langfristig streben wir an, das heutige System aus
Familienleistungsausgleich und Bundeserziehungsgeld zu einem
Familiengeld weiterzuentwickeln.
Eltern sind die Menschen, die ihren Kindern am nächsten stehen. Wir
setzen uns deshalb ebenso dafür ein, dass die Erziehung der Kinder
nicht nur oder vorwiegend von öffentlichen Einrichtungen, sondern wo
immer möglich und gewünscht von den Eltern wahrgenommen werden kann.
Frauen und Männer, die sich vorwiegend der Erziehung ihrer Kinder
widmen und dafür zumindest phasenweise auf Erwerbsarbeit verzichten,
verdienen dieselbe Anerkennung wie Eltern, die einer Erwerbsarbeit
nachgehen. Wir halten es für falsch, berufstätige Frauen oder Männer
und Hausfrauen oder -männer gegeneinander auszuspielen. Die Eltern
sollen entscheiden, welche Form der Erziehung für ihre Kinder am
besten ist; dies ist nicht Sache staatlicher Stellen oder politischer
Bevormundung.
Wir wollen den Eltern, insbesondere auch allein erziehenden Frauen und
Männern, dabei helfen, dass sie ihre Vorstellungen verwirklichen
können. Deshalb setzen wir uns auch für den weiteren Ausbau flexibler
und verlässlicher Öffnungszeiten der Kinderbetreuungs- und
Bildungseinrichtungen sowie eines Ferienservices ein. Die Einführung
der verlässlichen Grundschule ist vor diesem Hintergrund ein richtiger
und wichtiger Schritt. Die Betreuungsangebote in den Kindergärten
werden wir auf einem hohen Niveau halten.
Wir werden im Interesse der allein Erziehenden das bundesweit
vorbildliche Modellprogramm ”Mutter und Kind” beibehalten. Das
Programm soll in “Alleinerziehende” umbenannt werden. Weitere
Leistungen für Familien wie den Landesfamilienpass werden wir
ebenfalls fortführen. Mit der Weiterführung des Reihenhausprogramms
und der Initiative ”Innerstädtisches und stadtnahes Wohnen” werden wir
auch künftig tausenden von jungen Familien mit Kindern und einem
geringen Einkommen den Schritt in die eigenen vier Wände ermöglichen.
Wir wollen eine Gesellschaft, in der sich Frauen und Männer ihre
Aufgaben partnerschaftlich und fair teilen. Das schließt mit ein, dass
mehr Männer als bisher bereit sind, mehr Verantwortung in ihren
Familien für die Erziehung ihrer Kinder zu übernehmen. Familienarbeit
ist auch Männersache; Kinder brauchen ihren Vater genauso wie ihre
Mutter.
Wir arbeiten dafür, dass Frauen auch tatsächlich gleiche Chancen zur
Einstellung und zum Aufstieg im Beruf haben wie Männer. Wir wollen im
gesamten Wirtschaftsleben die Möglichkeiten für Frauen und Männer
verbessern, nach einer Familienphase wieder eine qualifizierte
Erwerbsarbeit aufzunehmen und durch Weiterbildung und Beratung
Benachteiligungen abzubauen. Wir fordern die Tarifpartner auf, mit
flexibleren Formen der Arbeit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf
zu erleichtern. Telearbeit und Teilzeitarbeit zum Beispiel bieten
bisher nicht genügend genutzte Chancen.
Wir lehnen es jedoch ab, mit immer neuen bürokratischen und in den
Betrieben nur schwerlich umsetzbaren Vorschriften
Gleichstellungspolitik zu machen, die letztendlich die Chancen von
Frauen auf dem Arbeitsmarkt verschlechtern. Wir wollen aber für das
Land und die Kommune die Umsetzung der europäischen Anforderungen
(Gender Mainstreaming) gewährleisten und in der Handhabung
erleichtern. Wir setzen auf eine immer bessere Ausbildung, die Frauen
den Zugang zu immer besseren Berufschancen eröffnen. Hierauf wollen
wir unsere Anstrengungen auch in Zukunft konzentrieren. Bildung und
Ausbildung schaffen Qualifikation, Qualifikation schafft bessere
Chancen für den Einstieg, Aufstieg und Wiedereinstieg im Beruf. Das
ist allemal wirksamer als es bürokratische Zwangsmaßnahmen je sein
könnten.
Wir schreiben niemand vor, wie er leben soll. Die CDU
Baden-Württemberg respektiert deshalb gleichgeschlechtliche
Lebensgemeinschaften. Mit privatrechtlichen Regelungen und
Vereinbarungen ist es möglich, Benachteiligungen im Alltag abzubauen.
Die ”eingetragene Lebenspartnerschaft” als Rechtsinstitut mit
eheähnlichen Wirkungen lehnen wir ab. Der im Grundgesetz verbriefte
besondere staatliche Schutz von Ehe und Familie darf nicht aufgeweicht
werden. Deshalb sind wir auch gegen steuerliche Vergünstigungen für
gleichgeschlechtliche Paare und die beitragsfreie Mitversicherung
nichterwerbstätiger gleichgeschlechtlicher Partner in der Kranken- und
Pflegeversicherung.
Kranke, Behinderte und sozial Schwache brauchen Hilfe und
Solidarität
Kein Mensch ist vor schweren Schicksalsschlägen letztendlich gefeit.
Jeder Mensch kann leichter oder schwerer erkranken, jeder Mensch kann
von heute auf morgen von einer Behinderung getroffen sein, jeder
Mensch unterliegt dem Risiko, seine Erwerbsarbeit zu verlieren und
sich nicht mehr selbst ernähren zu können. Jeder Mensch muss damit
rechnen, früher oder später einmal auf die Hilfe der Gemeinschaft
angewiesen zu sein. Jeder Mensch sollte deshalb auch bereit sein zur
Solidarität mit denen, die diese Hilfe jetzt brauchen.
Menschenwürdiges Leben und Zusammenleben ist in einer arbeitsteiligen,
leistungsorientierten Industrie- und Wissensgesellschaft ohne sozialen
Ausgleich nicht denkbar. Deshalb fordert christlich-demokratische
Sozialpolitik die Leistung der Starken auch, damit den Schwachen
geholfen werden kann. Eigenverantwortung für sich selbst und
Mitverantwortung für andere sind zwei Seiten ein und derselben
Medaille.
Wir wollen die Gesundheitsversorgung in Baden-Württemberg auf dem
erreichten hohen Niveau erhalten und ihre Qualität effizient und
stetig verbessern. Jeder Patient, ob in der Stadt oder auf dem Land,
soll auch künftig eine gleichwertige medizinische Grundversorgung in
erreichbarer Nähe erhalten. Die Inanspruchnahme von notwendigen
medizinischen Leistungen darf nicht zu einem finanziellen Risiko oder
einer unzumutbaren finanziellen Belastung kranker Menschen werden.
Budgetierungen, die zur Einschränkung notwendiger medizinischer
Leistungen führen können, lehnen wir ab. Beitragszahler in den
Krankenversicherungen sollen in Zukunft mehr Möglichkeiten zur Auswahl
dessen haben, was sie absichern wollen und was nicht. Einfaches,
Zumutbares können wir selbst leisten. Kostspieliges und Wichtiges muss
weiterhin von der Solidargemeinschaft abgesichert werden.
Bestrebungen des Bundes, den Ländern die Handlungsspielräume in der
Krankenhausplanung einzuschränken oder ihnen sogar die Zuständigkeit
dafür zu entziehen, lehnen wir mit Entschiedenheit ab. Wir wollen eine
ausgewogene Versorgung mit Gesundheitsdienstleistungen auch im
ländlichen Raum.
Wir sehen ein modernes Gesundheitswesen nicht nur als
Kostenverursacher. Das Gesundheitswesen hat großes wirtschaftliches
Gewicht, es sichert viele Arbeitsplätze und ist ein Wachstumsmarkt mit
Zukunft. Wir wollen, dass unser Land an diesem Wachstumsmarkt teilhat.
Baden-Württemberg hat mit seinen Bäder- und Kureinrichtungen, seinen
Schwerpunkten in der Medizintechnik und Pharmazeutik sowie seiner
medizinischen Spitzenforschung alle Voraussetzungen, ganz vorne dabei
zu sein. Wir wollen dazu neue Wege beschreiten und mit dem im Jahr
2000 gegründeten “Gesundheitsform Baden-Württemberg” alle Akteure im
Gesundheitswesen von der Gesundheitsindustrie bis zur Ärzteschaft, von
den Krankenkassen bis zu allen Gesundheitsdienstleistern an einen
Tisch bringen, um so dazu beizutragen, alle Entwicklungschancen dieses
oft unterschätzten Wirtschaftsbereichs zu erschließen. Damit sich das
Land national und international als innovativ-dynamischer Standort für
Gesundheitswirtschaft präsentiert, wollen wir das vorhandene
wirtschaftliche Potential bündeln und eine Plattform schaffen, um
Innovation und Synergien zu fördern. Mit der Überwindung historisch
bedingter Abgrenzungen zwischen den Branchen soll das Gesundheitsforum
dazu beitragen, Baden-Württemberg als herausragenden
Gesundheitsstandort in Deutschland und auch weltweit weiter
voranzubringen, zukunftssichere Arbeitsplätze zu erhalten und neue zu
schaffen sowie neue High-Tech-Produkte und Dienstleistungen zu
fördern. Auch deshalb setzen wir in der neuen ”Zukunftsoffensive Junge
Generation” einen besonderen Investitionsschwerpunkt in den
Lebenswissenschaften.
Behinderte gehören nicht an den Rand, sondern in die Mitte der
Gesellschaft. Noch zu oft werden sie ausgegrenzt, ihre Begabungen und
Fähigkeiten unterschätzt. Wir nehmen das Benachteiligungsverbot für
Behinderte im Grundgesetz ernst und werden uns dafür einsetzen, dass
es im Lebensalltag verwirklicht wird. Die Schaffung
behindertengerechter Einrichtungen werden wir weiter unterstützen.
Das Berufsbild der Altenpflegekräfte wird aufgewertet. Für die
Altenpflegeausbildung werden die benötigten Mittel bereitgestellt.
In der ambulanten Familienpflege, in der Nachbarschaftshilfe und im
Hospizdienst wird in unserem Land Herausragendes geleistet. Die
flächendeckende Familienpflege, die beispielsweise von Katholischen
Sozialstationen getragen wird, soll einen Ausgleichsbetrag für die
Grundsicherung bekommen. Der Hospizdienst soll gefördert werden. Auch
im Hinblick auf den Fortbestand der Nachbarschaftshilfe treten wir für
die Änderung der 630-Mark-Regelung ein.
Die Sozialhilfe ist ein unentbehrlicher Bestandteil der sozialen
Sicherung. Sie tritt dort ein, wo andere Formen der sozialen Sicherung
Schicksalsfälle des Lebens nicht abdecken können. Aufgabe der
Sozialhilfe ist es, dem Empfänger der Hilfe die Führung eines Lebens
zu ermöglichen, das der Würde des Menschen entspricht. Durch die
Pauschalierung von Leistungen der Sozialhilfe haben wir ein Instrument
geschaffen, das es den Trägern der Sozialhilfe ermöglicht, mit einem
weniger bürokratischen Verfahren die Bedürfnisse der Hilfsempfänger zu
berücksichtigen.
Für die CDU Baden-Württemberg gilt der Grundsatz: Wer die Hilfe der
Gemeinschaft beansprucht, muss auch bereit sein, nach seinen
Möglichkeiten der Gemeinschaft dafür etwas zurückzugeben. Deshalb
unterstützen wir die Kommunen dabei, Bezieher von Sozialhilfe zu
gemeinnützigen Arbeiten heranzuziehen, sofern diese gesundheitlich und
von ihren Lebensumständen her dazu in der Lage sind. Vorrangiges Ziel
muss es dabei sein, die betroffenen Menschen wieder in reguläre
Arbeitsverhältnisse zu vermitteln bzw. die Chancen hierfür zu
verbessern. Das in Baden-Württemberg erstmalig erprobte Modell des
Einstiegsgelds für langzeitarbeitslose Sozialhilfeempfänger hat
positive Ergebnisse gebracht. Wir werden es fortführen und mit der
flächendeckenden Einführung in Zusammenarbeit mit den
Sozialhilfeträgern beginnen.
Die beiden steuerfinanzierten Systeme der Sozial- und
Arbeitslosenhilfe sollen bei den Kommunen zu einem Leistungssystem
zusammengeführt werden. Der Bund muss allerdings den Kommunen die
Aufwendung für die bisherigen Arbeitslosenhilfe erstatten.
Die Arbeitsmarktsituation in Baden-Württemberg ist sehr gut; wir haben
nahezu Vollbeschäftigung. Dennoch verkennt die CDU Baden-Württemberg
nicht, dass es auch bei uns benachteiligte Gruppen gibt, die auf dem
Arbeitsmarkt Probleme haben und der Hilfe bedürfen. Deshalb werden wir
das Programm ”Jugend-Arbeit-Zukunft” und das
Langzeitarbeitslosenprogramm des Landes fortführen.
Wir werden den Missbrauch von Sozialleistungen weiterhin bekämpfen,
denn jede Mark, die dort ankommt, wo sie gar nicht gebraucht wird,
fehlt anderen Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, oder
für andere wichtige Aufgaben. |
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