Quelle: Der Dreiländerkreis Sigmaringen 2. Auflage 2008, DIRK GAERTE (Hrsg.)/ EDWIN ERNST WEBER (Konz.):  
     
     
 

Landschaft und Geologie

Scheer verdankt seine landschaftlich reizvolle Ortslage in einer eingeschnittenen, engen Donauschlinge zum einen dem Jurafelsen, auf dem Schloß und Oberstadt stehen, zum andern den tektonischen Begleitstörungen des Laucherttalgrabens, die den Fels in eine Schutzlage gebracht haben. Oberhalb von Scheer begleitet der Jurafels den Weg des Flusses, unterhalb läuft die Donau in einem Bett von tertiären Weichschichten.

Der Jura kommt kaum noch zur Oberfläche, er liegt in geringer Tiefe unter der Molasse, die den Fluss ab Scheer begleitet und bis Heudorf hinaufreicht. Die Molasse wird nicht nur südlich bis in den Wald hinter dem Hipfelsberg, sondern auch nördlich der Donau von der Riß-Moräne bedeckt, die bis zur Linie Hitzkofen-Wilflingen, lückenhaft sogar bis über Bingen hinaus reicht. Der erratische Block aus alpinem Material am Waldrand oberhalb Scheer markiert also nicht genau die Nordgrenze der Vereisung. Die Geschichte der Donau ist durch die Erkundung von Trinkwasser ans Licht gekommen. Vor der Mindel-Eiszeit, d.h. vor über einer halben Million Jahren, floss die Donau von Sigmaringendorf kommend nach Süden in den Hipfelsberg, wendete dort abrupt und stieß nach Norden entlang des Sporns mit der Oberstadt, über die heutige Donau hinweg, zwischen den Jurafelsen hindurch auf Hitzkofen zu, bog dort nach Heudorf ab, schwenkte erneut nach Nordwesten und verließ das Gemeindegebiet in Richtung Langenenslingen. Dieser Altlauf wurde schon durch das Vorpreschen des Gletschers der Mindel­Eiszeit am Hipfelsberg verdrängt und später durch den Rißgletscher so gründlich verschüttet, dass die Donau ihn nicht wiederfand. Am Ende der Riß-Eiszeit, als die Donau sich den heutigen Weg wählte, hat sie ober- und unterhalb von Scheer auf dem linken Flusshang 30 Meter über dem heutigen Flussniveau Kiese und Sande abgelagert.

 

Archäologie

In den Gewannen »Luppenhau« und »Kurze Stockteile«, östlich von Scheer gelegen, wurden 1882 und 1923 insgesamt vier hallstattzeitliche Grabhügel untersucht. In einem der Hügel fanden sich auf einer festgestampften Lehmschicht zwei bronzene Fußringe, das Bruchstück eines berippten Bronzehohlrings, Keramik, ein Fibelrest und Knochenfragmente. Die anderen Hügel enthielten Brandschichten und Scherben. Leider sind die Funde inzwischen verschollen. Beim Bahnbau sollen im Bereich des Bahnhofs von Scheer Gräber mit Bronzeschmuck und Waffen gefunden worden sein. Vermutlich handelte es sich dabei um merowingerzeitliche Reihengräber.

 
     
     
 

Geschichte

Der Name der Stadt leitet sich von »scera« ab, dem keltischen Wort für Felsen, die in Scheer die letzten Ausläufer des Donaudurchbruchs durch die Schwäbische Alb bilden. Die mittelalterliche Stadtanlage befand sich in dem engen Raum zwischen dem Osthang des Weißjura-Bergsporns, auf dem sich Schloss und Kirche befinden, und der Donau, die die Stadt in einer lang gestreckten Schleife umfließt. Scheer war der Haupt- und Residenzort der außerdem noch die Dörfer Blochingen und Ennetach umfassenden Herrschaft Scheer, die vor 1267 an Graf Hugo von Montfort, einen Verwandten der Pfalzgrafen von Tübingen, fiel, der seit diesem Jahr den Beinamen »de Schera« führte. Wohl 1289 verkaufte er Stadt und Herrschaft an König Rudolf von Habsburg, der in diesem Jahr dem Rat und den Bürgern der Stadt (»civitas«) »ze de Schere« die Rechte von Freiburg i. Br. bestätigte.

 
     
     
  1314 fiel die Herrschaft Scheer als österreichisches Pfand wieder an das Haus Montfort zurück und wurde 1369 mit der gleichfalls von Habsburg verpfändeten Grafschaft Friedberg zu einem Pfand vereinigt, das nur noch gemeinsam ausgelöst werden konnte. Nach weiteren Verpfändungen, unter anderem bereits an die Truchsessen von Waldburg 1432, überließ Erzherzog Sigmund 1452/54 die Grafschaft Friedberg und die Stadt Scheer mit Burg, Burgstall, Stadtgrund, Gerichten, Zwingen, Bännen, Fischrechten und Steuern dem Truchsessen Eberhard von Waldburg, Graf von Sonnenberg — zunächst als Pfand und sodann als — von Habsburg in der Folge indessen vehement bestrittenes — Eigen. Das Städtchen an der Donau und das 1485-1496 von Graf Andreas von Sonnenberg anstelle einer älteren Burg errichtete mächtige spätgotische Schloss hoch über der Bürgersiedlung wurde nun Residenz und Verwaltungssitz der eberhardischen Linie der Reichserbtruchsessen. 1455 verlieh Kaiser Friedrich III. den Waldburgern die Hochgerichtsbarkeit. Im stets bescheidenen, nur mit zwei Toren ausgestatteten Residenzstädtchen, das 1489 nachträglich Marktrechte verliehen bekam, waren auch zahlreiche Handwerker und herrschaftliche Bedienstete ansässig. Während der Regierung des Truchsessen Christoph von Waldburg (1578-1593) wurde auf Schloss Scheer das Musikleben besonders gepflegt. 1583 kam der Cremoneser Komponist Cesare de Zacharia an den Scheerer Hof und widmete seinem Brotherrn 1590 die Sammlung »Liebliche und kurtzweilige Liedlein«. Die Kirchenmusik förderte Graf Christoph, indem er die Pfründepriester der Kirche zu Scheer zur Mitarbeit bei der Figuralmusik verpflichtete. Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert beteiligten sich die wegen angeblichen Steuerentfremdungen, drückenden Fron- und Abgabenlasten und Missständen in der Herrschaftspraxis mit der truchsessischen Obrigkeit unzufriedenen und deshalb unter unmittelbare österreichische Herrschaft zurückstrebenden Scheerer Bürger an der Seite der bäuerlichen Untertanen der Grafschaft Friedberg­Scheer immer wieder an Aufständen, Revolten und Prozessen gegen ihre Stadtherren. In einem 1686 mit der Herrschaft ausgehandelten Vertrag konnte die Stadt, im Kontext einer generellen Übereinkunft zwischen den Waldburgern und ihren Untertanen in der Grafschaft Friedberg-Scheer, die seit 1680 ein österreichisches Mannlehen der Truchsessen ist, schließlich eine Reihe von Rechten und Vergünstigungen für sich erwirken, wie z.B. die Wahl des Bürgermeisters und des Stadtrates durch die Bürgerschaft, einen Teil der Niedergerichtsbarkeit, das Abzugsrecht, die Abschaffung der Frondienste, das Umgeld, die Reduzierung der Holzabgaben und die Begrenzung der herrschaftlichen Mitnutzung der Allmende.  
     
     
  Mit Graf Leopold August (1756-1764) starb die in Scheer ansässige Linie des Hauses Waldburg aus und verlor die Stadt ihre Jahrhunderte lange Funktion als Residenz. Nachfolger wurden die Reichserbtruchsessen der georgischen Linie, die 1785 die hoch verschuldete Grafschaft Friedberg‑Scheer nebst den Herrschaften Dürmentingen und Bussen zum Preis von 2.100.000 Gulden an Fürst Karl Anselm von Thurn und Taxis verkauften, der im Folgejahr von Kaiser Joseph II. die reichsgefürstete Grafschaft Friedberg­Scheer als österreichisches Thronlehen verliehen bekam. 1806 fiel die Souveränität über den Besitz des Hauses Thurn und Taxis im Zuge der Mediatisierung an das Königreich Württemberg. Scheer blieb bis 1849 Sitz des Thurn- und Taxisschen Amtes und Amtsgerichts und wurde nach der Aufhebung des standesherrlichen Amtsbezirks dem Oberamt Saulgau zugeteilt. Im Revolutionsjahr 1848 beschwerten sich die Bürger über die Missstände in der Standesherrschaft und forderten die vollständige Aufhebung der Leibeigenschaft, des Zehnten und weiterer feudaler Abgaben und Gülten. Wortführer der sich in der Stadt bildenden demokratischen Bewegung und Vorsitzender des Bürgervereins war Präzeptoratskaplan Ama, der im September 1850 nach Wangen versetzt wurde.  
     
     
     
 

Im Laufe des 19. Jahrhunderts verlor die frühere Residenzstadt an Bedeutung. 1829 gab es am Ort eine herrschaftliche Ziegelhütte, drei Schildwirtschaften und vier Brauereien sowie vier Jahrmärkte. Ein großer Teil der Bevölkerung lebte in ärmlichen Verhältnissen und verdiente sich mit Weben, Weißsticken und Spitzenklöppeln in Heimarbeit ein Zubrot. Weitere Erwerbsmöglichkeiten, vor allem für Frauen, bot die 1865 gegründete Seidenzwirnerei. Viele der sog. »Hausarmen« wurden von wohltätigen Stiftungen unterstützt, wie der auf das Jahr 1512 zurückgehenden Stiftung des Spitals zum heiligen Geist oder dem »landschaftlichen Hausarmen- und Schulfonds«, den Gräfin Maria Anna Monika von Waldburg 1775 gegründet hatte. Diesen und anderen ansehnlichen Stiftungen verdankte die Stadt nicht zuletzt eine vergleichsweise gut ausgebaute Schullandschaft mit einer 1820 errichteten Lateinschule, einer Elementarschule mit zwei Klassen, einer Zeichnungsschule für Knaben und einer Industrieschule, in der Mädchen in allen Arten textiler Handarbeit unterwiesen wurden. 

 
     
     
  Das vorhandene Arbeitskräftepotential, die Wasserkraft der Donau, der Holzreichtum und die Anbindung der Stadt an die Eisenbahnlinie seit 1870 bildeten im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Grundlagen für die Ansiedlung mehrerer Industriebetriebe, besonders im Bereich der Holzstoff-und Papierindustrie. Vor allem die aus dem in den Scheerer Waldungen geschlagenen Espenholz hergestellten Produkte fanden wegen ihrer hohen Qualität auch im Ausland guten Absatz. Das 1901 in Betrieb genommene Elektrizitätswerk Jakobstal förderte den weiteren industriellen Aufschwung des Städtchens. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb Scheer ein bedeutender Standort der Papier- und Verpackungsindustrie. In den 1970er Jahren war die Papierfabrik Steinbeis & Co. der größte Arbeitgeber am Ort und beschäftigte 160 Arbeitskräfte. Der globale Strukturwandel in der Papierindustrie führte 1993 zur Aufgabe des Scheerer Werks. Mit der Kreisreform wechselte Scheer 1973 vom Kreis Saulgau zum Kreis Sigmaringen. Heute ist das Städtchen vor allem wegen seiner landschaftlichen und kulturgeschichtlichen Sehenswürdigkeiten und als Teil des Naturparks Obere Donau touristisch attraktiv.  
     
     
  Heudorf ist im Spätmittelalter im Besitz der Herren von Reischach, die zeitweise mit einem eigenen Zweig in einem bei der Kirche gelegenen Schloss im Ort ansässig sind. 1489 verkauften sie das Dorf an das Spital Mengen. Von Sigmaringen bestritten, übte nun die Stadt Mengen alle Herrschaftsrechte über Heudorf aus. Die grundherrschaftlich gebundenen Höfe wurden als sog. Spitallehen an die Heudorfer Bauern vergeben. 1784 vereinigte sich der häufig als Mengisch-Heudorf bezeichnete Ort mit der Stadt Mengen zu einem Gemeindeverband, der später jedoch wieder aufgelöst wurde. Mit Mengen kam Heudorf 1805 an Württemberg und gehörte ab 1809 zum Oberamt, ab 1938 Landkreis Saulgau und seit 1973 zum Kreis Sigmaringen. Seit 1974 ist Heudorf ein Stadtteil von Scheer.  
     
 
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  Sehenswürdigkeiten  
     
  Das Stadtbild von Scheer wird von zwei markanten Gebäuden beherrscht, dem Schloss (siehe Sonderseite) und der Pfarrkirche St. Nikolaus. Die nach dem heiligen Bischof Nikolaus von Myra benannte Kirche entstand vermutlich im 14. Jahrhundert als flachgedeckte dreischiffige Basilika. 1492/1505 ließ Graf Andreas von Sonnenberg (1480-1511) die Kirche in spätgotischem Stil umbauen und einwölben. Das Grab des 1511 im Donauried bei Hundersingen von dem mit ihm verfeindeten Grafen Felix von Werdenberg ermordeten Andreas von Sonnenberg befindet sich in der von ihm erbauten waldburgischen Familiengruft unterhalb des Chors. 1742-1755 ließ Truchsess Johann Wilhelm Eusebius (1694-1756) die Pfarrkirche barockisieren. Der Wessobrunner Baumeister Nikolaus Schütz entfernte die spätgotischen Nebenaltäre, veränderte das Gewölbe und vergrößerte die Fenster. Joseph Anton Feuchtmayer versah zwischen 1748 und 1750 die Langhauspfeiler mit Stuckmarmor und modellierte eigenhändig den Rokokoschmuck an den Wänden und Decken des Mittelschiffs. Er schuf auch die Kanzel, die Altäre beiderseits des Choreingangs und an der Stirnwand der Seitenschiffe sowie die mittleren Seitenaltäre im Nord-und Südschiff. Die Ölblätter der Altäre stammen vom Augsburger Maler Gottfried Bernhard Göz, die Fresken im Langhaus von Joseph Esperlin. Den illusionistisch gemalten Säulentempel an der Ostwand sowie die Chorfresken schuf der Münchner Franz Ignaz Oefele. Die Schäden, die das Erdbeben am 27. Juni 1935 anrichtete, wurden während einer zweijährigen Renovierungsphase behoben. Zwischen 1969 und 1973 erfolgte eine umfassende Außenrenovierung.  
     
  Nach einer weiteren vier Jahre dauernden Gesamtrenovierung wurde 1996 der neue Hauptaltar des Bildhauers Michael Münzer geweiht. Besonderes Interesse verdienen die zu Beginn des 17. Jahrhunderts von den waldburgischen Stadtherren nach Scheer geholten kostbaren, in Teilen auf das 14. Jahrhundert zurückgehenden Büsten mit den Reliquien der drei sog. Geschwisterheiligen Wunibald, Willibald und Walburga, die in der Stadt bis heute am Maifest (Walburgisfest) am ersten Maisonntag mit einer feierlichen Prozession in besonderer Weise verehrt werden.  
     
  Unter den zahlreichen Scheerer Kapellen verdient die Loretokapelle besondere Beachtung. Der rechteckige, tonnengewölbte Bau mit offener, kreuzgratgewölbter Vorhalle und darüber gelegener Herrschaftsempore wurde zwischen 1628 und 1631 errichtet, jedoch erst 1745 geweiht. Seit dem 18. Jahrhundert war die Kapelle Ziel von Prozessionen und Wallfahrten. Zeitweise war sie von Eremiten betreut. Im 19. Jahrhundert wurden hier Maiandachten gehalten und an Feiertagen im Sommer Messen gelesen. Der Unterhalt der Kapelle oblag der Loretopflegschaft. 1872 wurde eine Sakristei angebaut. Die stark verwitterten Sandsteinplastiken an der Giebelfassade ließ das Landesdenkmalamt 1959 durch originalgetreue Kopien aus Muschelkalk ersetzen. 1972 überließ der katholische Pfarrgemeinderat die Loretokapelle der evangelischen Kirchengemeinde für ihre Gottesdienste.  
     
  Eine Inschrift an der Außenfassade erinnert an den Erbauer der Kapelle: Wilhelm Heinrich, des heiligen römischen Reiches Erbtruchsess, Graf von Waldburg, Herr von Scheer und Trauchburg. Darüber befinden sich die Wappen des Stifters sowie seiner beiden, aufeinander folgenden Ehefrauen Juliane von Sulz und Anna Maria von Wolfegg. Die Plastik des gekreuzigten Jesus am Giebel wird flankiert von den Statuen eines Bischofs und eines Mönchs, vermutlich dem Brüderpaar St. Willibald und St. Wunibald. In den Nischen darunter befindet sich links eine Statue des hl. Sebastian und rechts des hl. Rochus.  
     
  Weitere Kapellen sind die St. Anna-Kapelle an der Straße nach Mengen, in der die 1605 nach Scheer gebrachte Reliquie der hl. Anna aufbewahrt wurde, die beim Friedhof gelegene spätgotische und später barock umgebaute St. Oswald-Kapelle und die unterhalb der Loretokapelle befindliche St. Leonhard-Kapelle.  
     
  Das über dem linken Donauufer gelegene Schloss Bartelstein geht auf eine gleichnamige Burg zurück, die ihren Namen angeblich der Hinrichtungsstätte verdankte, die sich hier befunden haben soll. Damals wurden die Delinquenten mit der Barte (Axt) hingerichtet. Von dieser Burg blieben nur Mauerreste übrig. Eine an einer benachbarten Stelle erbaute zweite Burg wurde vermutlich im Dreißigjährigen Krieg zerstört und auf ihren Grundmauern in der Folge das heutige Schloss errichtet. Im 18. Jahrhundert diente das Gebäude als Gefängnis. 1832 kaufte der Gefängniswärter Sebastian Volk das Anwesen. Seither blieb es in Privatbesitz, wechselte aber mehrmals den Besitzer, unter anderem auch im Jahr 1906, als der Fabrikant Carl Schaal es zu einem repräsentativen Wohnhaus umbauen ließ.  
     
  Sehenswert ist auch die historische Altstadt mit dem Rathaus aus dem Jahr 1838 und weiteren sorgfältig sanierten historischen Gebäuden.  
     
     
  In den Jahren 1828/29 hielt sich der Dichter Eduard Mörike (1804­-1875) einige Zeit zu Besuch bei seinem Bruder, dem in Thurn- und Taxisschen Diensten stehenden Amtmann Karl Mörike, in Scheer auf. Hier entstand der Gedichtband »23 Gedichte im Grünen Heft«, den er seiner Schwägerin Dorothea widmete. Von der Donau ließ er sich zu dem Zyklus »Schiffer- und Nixenmärchen« inspirieren, in dem der Fluss als »Frau Done« personifiziert wird. Der 1997 ins Leben gerufene »Mörike-Pfad Donau-Oberschwaben« führt daher auch durch Scheer mit Stationen am Alten Renthaus, am Oberamtshaus, an der Pfarrkirche und am Pfarrhaus, in dessen idyllisch gelegenem Garten mit schönem Ausblick auf die Donaulandschaft eine schmiedeeiserne Laube an den Dichter erinnert.  
     
  In Heudorf verdient in der 1901 von Joseph Cades erbauten Pfarrkirche das Chorbogenfresko von Karl Caspar mit einer Darstellung der triumphierenden, der streitenden und der leidenden Kirche als Pionierwerk der modernen religiösen Malerei besondere Beachtung.  
     
 
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  Ersterwähnungen  
     
  SCHEER 1259: WUB 5, S. 302 (Rudol­fus, dei gracia comes de Tvingin dictus Schaerer); 1267: WUB 6, S. 329 (Sche­ra).  
     
  HEUDORF 1173: WUB 2, S. 172 (Ho­vidorf) — Lokalisierung unsicher; 1231: WUB 4, S. 410 (Hodorf).  
     
     
     
     
  Literatur  
     
  WALTER BLEICHER: Chronik der ehemaligen Residenzstadt Scheer/Donau. Scheer 1989.  
     
  WALTER BLEICHER: Chronik der Gemeinde Heudorf. Ehemals Mengener Spitaldorf — heute Stadtteil von Scheer.
Scheer 1994.
 
     
  MARTIN ZÜRN: »Ir aigen libertet«. Waldburg, Habsburg und der bäuerli­che Widerstand an der oberen Donau.
Tübingen 1998.
 
     
  DIRK GAERTE (Hrsg.)/ EDWIN ERNST WEBER (Konz.): Der Dreiländerkreis Sigmaringen 2. Auflage 2008  
     
     
     
     
 

Schloss Scheer

Das auf einem von der Donau in einer langgestreckten Schleife umflossenen Kalksporn liegende Schloss ist — neben Sigmaringen und Meßkirch — die dritte Hochadelsresidenz im Gebiet des heutigen Landkreises Sigmaringen. Der im Auftrag von Graf Andreas von Sonnenberg von 1485-1496 durch Meister Lienhart aus Mengen anstelle einer mittelalterlichen Burg errichtete spätgotische Residenzbau umfasst einen Mittelbau mit Vorbau sowie einen Nord- und einen Südflügel, die miteinander einen später nach Westen verbreiterten Schlosshof einschließen. Der noch ausgeprägte fortifikatorische Charakter der Anlage wurde durch den 25 Meter tiefen Graben zwischen Schlossberg und Karlsberg sowie ehedem einen weiteren Graben zwischen Schloss und benachbarter Pfarrkirche zusätzlich unterstrichen. In den 1560er Jahren wurde der Schlosskomplex unter Reichserbtruchsess Wilhelm dem Jüngeren von Waldburg durch einen Kanzleibau westwärts erweitert, woran ein Steinrelief mit dem Allianzwappen des Bauherrn und seiner fürstenbergischen Gemahlin erinnert.

Schloss Scheer ist von der Mitte des 15. bis ins ausgehende 18. Jahrhundert Sitz einer eigenen Linie des Hauses Waldburg sowie Residenz und Verwaltungsmittelpunkt der Grafschaft Friedberg-Scheer, die 1785 durch Kauf an das Haus Thurn und Taxis übergeht. Besondere Beachtung im Inneren der Schlossanlage verdienen die Hauskapelle mit Spuren spätgotischer Wandmalerei, das Andreaszimmer mit einem in Holz geschnitzten Allianzwappen des Sonnenbergers sowie das Fürstenzimmer mit reicher Deckenstuckierung und schablonengestalteten Tapeten wohl aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Auf dem benachbarten, durch eine kühne Brücke mit dem Schloss verbundenen Karlsberg lässt sich ein barocker Garten mit auf das Schloss ausgerichteter Hauptachse, zwei um einen Mittelbereich gruppierten Lindenalleen und ehedem vier Eckpavillons erkennen. Seit 1967 ist das Schloss in Privatbesitz und nur im Rahmen von Sonderführungen öffentlich zugänglich.

 
     
     
 
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