Geschichte der Stadt Scheer und die politischen Zusammenhänge  
     
  In Anlehnung an Walter Bleicher: Chronik der ehemaligen Residenzstadt Scheer/Donau.  
  Bearbeitung: R. Nonnenmacher, Dr. H. Stützle und Dr. G. Schmidt  
     
     
     
  Geographie  
     
 
 

Das Stadtgebiet erstreckt sich von den letzten Ausläufern der Schwäbischen Alb bis ins beginnende schwäbische Oberland. Hier hat sich die Donau, der im Altpliozän vor über 5 Millionen Jahren entstandene Fluss, vor rund 10.000 Jahren entlang dem Weißjura einen neuen Weg durch die Riedniederung gesucht. Sie war zuvor vom Rheingletscher verschüttet und durch nacheiszeitliche Schmelzwässer ausgewaschen worden.

Im „Felsele“, einem Tal zwischen Scheer und Heudorf, verlief vor der Eiszeit einmal die Donau.

 
Lage der Stadt im Landkreis Sigmaringen       Donaubrücke mit Wehranlage
 
     
     
 

Der Name Scheer leitet sich vom keltischen Wort „scera“ ab und bedeutet Fels, womit die Kalkfelsen gemeint waren, auf denen heute das Schloss, die Kirche und die Burg Bartelstein stehen.

Auf dem letzten nordseitigen Kalksporn, einer Erhebung, die die Donau mit einer lang gestreckten Nord-Schleife umgeht, erheben sich Scheers Wahrzeichen: die Pfarrkirche St. Nikolaus und das Schloss Scheer.

Hier befinden sich die letzten Massenkalkfelsen des Donau-Durchbruchstals nach der Albtafel.
Unterhalb der Stadt taucht der Weißjura ab und das Tal weitet sich in den weichen Schichten der Unteren Süßwassermolasse.

 
   

Nordwestansicht: Pfarrkirche St. Nikolaus und Schloss Scheer

 
     
     
  Nachbargemeinden  
     
  Scheer grenzt (im Uhrzeigersinn) an Mengen, Sigmaringen, Sigmaringendorf und Bingen im Landkreis Sigmaringen sowie an Langenenslingen und Altheim im Landkreis Biberach.  
     
 
 Zur Übersicht      Nach oben
 
     
  Geschichte  
     
  Vorzeit / Antike  
     
 

Aus der Zeit von 1800–800 v. Chr. datieren erste Spuren einer Ansiedlung durch die Kelten.
Bereits ab diesem Zeitpunkt war die Gegend ständig besiedelt. Damals entstanden auch die acht keltischen Grabhügel im „Lupplet“. Damit gehört Scheer zu den ältesten Orten der Gegend. Hier führte auch eine keltische Urstraße von Sigmaringendorf kommend nach Süden in das Ablachtal und eine weitere Verzweigung nach Blochingen zur Heuneburg. Die Furt dieser Keltenstraße war etwa 300 Meter flussaufwärts der heutigen Donaubrücke.

Von etwa 400 v. Chr. bis 395 n. Chr. siedelten die Römer in der Region.
Gleich zwei Römerstraßen führten über Scheerer Gebiet: Vom Kastell Ennetach über die jetzige Landstraße unterhalb des Schlossberges vorbei über die Furt der alten Keltenstraße nach dem heutigen Sigmaringen-Laiz (Kastell) nach Rottweil, eine weitere von Mengen über die Furt beim Jakobstal, fast schnurgerade an den Scheerer Grabhügeln vorbei über Hitzkofen–Bingen-Feldhausen nach Trochtelfingen. Bei einer Ausgrabung im Jahr 1923 an vier Stellen im Jakobstal wurde die römische Bepflasterung festgestellt.

 
     
     
  Mittelalter  
     
  Von 536–843 lag Scheer unter fränkischer Herrschaft in der Westbaar.
Zu dieser Westbaar gehörten der Scherragau, der Eritgau und der Linzgau. Scheer war vermutlich der Hauptort des Scherragaus. Es folgte von 843–1076 die Zeit des ostfränkischen Reiches: In Scheer war ein Graf von Ruck beschrieben (Ruckburgen sind aus dem Gebiet von Lindau und Blaubeuren bekannt).
 
     
  Im 11. und 12. Jahrhundert entstanden in zunehmenden Maße Höhenburgen.
In diesem Zeitraum dürften auch die beiden Burgen in Scheer (Schloss Scheer und Burg Bartelstein) entstanden sein, wie auch die Burg Sigmaringen.
 
     
 
       
  Burg Bartelstein in Scheer     Schloss Sigmaringen  
 
     
     
  1152 tritt im Nachfolgestreit um das Erbe der Grafen von Bregenz der Pfalzgraf Hugo II. von Tübingen
das Erbe an.
 
  1181 wird Pfalzgraf Hugo II. von Tübingen  zum Herren von Scheer, Sigmaringen und Gammertingen.  
     
     
  Stammvater des Grafengeschlechtes Montfort war Pfalzgraf Hugo II. von Tübingen, verheiratet mit Elisabeth von Bregenz, der Erbin von Bregenz, Montfort und Sigmaringen  
     
  Das Grafengeschlecht Montfort geht auf Pfalzgraf Hugo II. von Tübingen zurück, der mit Elisabeth von Bregenz, Erbin von Bregenz, Montfort und Sigmaringen, Tochter von Graf Rudolf von Bregenz, verheiratet war.
Nach längeren Auseinandersetzungen beerbte Hugo von Tübingen um 1160 die Grafen von Bregenz, die ohne Nachkommen waren.
 
     
 
 Zur Übersicht      Nach oben
 
     
  Pfalzgraf Hugo II. von Tübingen  
     
  Im Jahre 1170 hielt Kaiser Friedrich Barbarossa Hoftag in Mengen.
Im Gefolge des Kaisers befand sich neben Bischof Rudolf auch unter anderem Pfalzgraf Hugo II. von Tübingen, der 1181 zum Herren von Scheer, Sigmaringen und Gammertingen wurde.
 
  Die Söhne des Pfalzgrafen Hugo II. von Tübingen († 1182), der über seine Ehefrau Elisabeth das Erbe der Grafen von Bregenz (wenn auch in reduziertem Umfang) angetreten hatte, teilten – nach einer längeren gemeinsamen Verwaltung – ihr väterliches Erbe so, dass der ältere Rudolf I. den Tübinger Besitz, der jüngere gleichnamige Hugo das sich bis nach Oberrätien erstreckende Bregenzer Erbe übernahm.  
     
  1182 nach dem Tode von Pfalzgraf Hugo II. von Tübingen wurde der Besitz unter seinen beiden Söhnen Rudolf I. und Hugo aufgeteilt.
Der jüngere Sohn Hugo I. übernahm die Bregenzer Besitztümer.
 
     
     
 

Hugo von Tübingen nennt sich nun Graf Hugo I. von Montfort
(Comes Montis fortis = Herr des starken Berges)

Er übernimmt das pfalz-tübingische Wappen. Die Ähnlichkeit des Montforter Wappens
mit dem Tübinger Wappen ist gut zu erkennen. Er wird auch als Begründer des heutigen Vorarlberg gesehen.

Das Wappen der Grafen von Montfort zeigt eine rote Kirchenfahne mit drei Hängeln
und drei Ringen auf silbernem Grund. Das gleiche Wappenbild der Kirchenfahne aber mit verschiedenen Farben findet sich auch bei den Grafen von Werdenberg und
seit 1918 im Wappen des österreichischen Bundeslandes Vorarlberg.

   
  Montforter Wappen  
 
     
     
  Erste urkundliche Erwähnung der "von Bartelstein" aus Scheer
1218 wurde Graf Hugo I. von Montfort von einem Ministerialen, der sich Ortolf von Bartelstein nannte, zum Hoftag nach Ulm begleitet. Damit wurde erstmals ein Adliger genannt, der sich nach der in Scheer gelegenen Burg schrieb. Graf Hugo wird auch als Erbauer der Stadtpfarrkirche angesehen. 1225 starb Graf Hugo I. von Montfort. Seine Söhne teilten die Herrschaft in eine Werdenberger und eine Neumontforter Linie. Begründer der Werdenberger Linie wurde Graf Hugo II.
 
     
     
 
 Zur Übersicht      Folgende Seite
 
     
 
  Impressum         Nach oben
  Kontakt   © CDU Stadtverband Scheer     Sitemap