Haus Waldburg

 
     
 

1415 wurde der Truchsess Johannes II. von Waldburg zum Landvogt von Oberschwaben ernannt
Johannes II., 1361– 1419/1424, Reichs-Erb-Truchsess

 
     
  Das Haus Waldburg ist ein hochadeliges schwäbisches Adelsgeschlecht. Die Stammburg des ursprünglich welfisch-staufischen Ministerialengeschlechts, das seit 1170 urkundlich belegt ist, ist die Waldburg auf der Gemarkung der Gemeinde Waldburg im Landkreis Ravensburg in Oberschwaben.  
     
     
 

Die Ursprünge des Hauses Waldburg
Erstes namentlich bekanntes Mitglied der Familie ist
Cono von Waldburg, Abt des Klosters Weingarten (1108 – 1132). Er schrieb den Augustinuskommentar und wahrscheinlich die Genealogia Welforum.

Heinrich (1140 – 1173) und Friedrich (1147 – 1183) von Waldburg sind möglicherweise Söhne eines Bruders des Abtes. Mit dem Tod der beiden erlosch das ältere Haus Waldburg im Mannesstamm.

Die Dienstmannen von Tanne übernahmen dessen Besitz und Ämter. Vermutlich waren sie mit dem älteren Haus Waldburg verwandt. Eberhard von Tanne-Waldburg (1170 – 1234) gilt als der eigentliche Stammvater des Hauses Waldburg.

Burg Waldburg, der Stammsitz der Grafen von Waldburg

 
 
     
     
 

1452 wurden die Waldburger mit Eberhard I. von Waldburg (geb. 1424, verst. 1479) die Grafen von Scheer
Als Truchsess und Ratgeber diente er zunächst den staufischen Herzögen von Schwaben und später Kaiser Friedrich II. Er wurde 1220 zu einem der Vormünder von Friedrichs Sohn Heinrich berufen und verwaltete Schwaben zusammen mit seinem Neffen, dem Schenken Konrad von Winterstetten, während der Abwesenheit des Kaisers.

Ihm war die Obhut über die Reichskleinodien anvertraut, die 1220-1225 auf der Waldburg verwahrt wurden.

Sein Bruder Friedrich von Tanne war 1197 in Montefiascone im Gefolge Philipps bei einem antistaufischen Volksauflauf erschlagen worden.

 

Eberhard I. von Tanne-Waldburg

 
     
     
     
 

Eberhard I. von Tanne-Waldburg war verheiratet mit Kunigunde, Tochter des Grafen Wilhelm von Montfort
Aus diese Ehe entsprossen 4 Söhne:

Otto
Otto wurde Bischof von Konstanz und erhielt seine Erbansprüche in Geld abgegolten.

Eberhard II.
Eberhard II. erhielt die Waldburg. 1483 starb Eberhard II. kinderlos.

Andreas von Sonnenberg
Schon zu seinen Lebzeiten 1475 hatte Graf Eberhard I. die Grafschaft Friedberg-Scheer seinem Sohn Andreas übergeben.

Johannes
Johannes erhielt Wolfegg.

Siegel Eberhards von Tanne-Waldburg

 
 
     
     
 

Auszug aus der Stammestafel der Waldburger

Johannes II.
1361 - 1419/1424, Reichs-Erbtruchsess
gefolgt von

Eberhard I.
gestorben 1479, I. Reichsgraf von Scheer und Sonnenberg
gefolgt von seinem Sohn

Andreas von Sonnenberg
IV. Reichsgraf, gestorben 1511

 

Wappen der Waldburger von 1450-1480

 
     
 
 Zur Übersicht      Nach oben
 
     
  Eberhard I. von Waldburg wurde Reichsgraf von Scheer und kaufte 1455 die Grafschaft Sonnenberg. Er erhielt den Titel Graf von Sonnnenberg
Er kaufte von den Brüdern Wilhelm und Georg von Werdenberg-Sargans die Grafschaft Sonnenberg, die von Feldkirch bis zum Arlberg reichte. Die darin anstoßende Herrschaft Bludenz mit dem Montafoner Tal hatte er bereits als Pfand inne. Bei der kaiserlichen Belehnung (1463) hat er den Titel und den Namen eines Grafen von Sonnenberg erhalten.
 
     
     
 

Gemeinde Nüziders in Vorarlberg
Das Wappen der Gemeinde Nüziders in Vorarlberg zeigt noch heute die Sonne der Linie der Sonnenberger, die auch am Schloss in Scheer zu sehen ist.

 
     
     
 
Das Sonnenberger Schloss in Vorarlberg
Die Überreste des Sonnenberger Schlosses in Vorarlberg sind als Ruine erhalten. Sie befindet sich direkt oberhalb der Ortschaft Nüziders auf einem vom Berg vorgeschobenen kleinen Bergsporn.
 
     
     
 

Hinzu erhielt Eberhard I. von Waldburg von Herzog Siegmund von Österreich

  • die Herrschaften Scheer

  • das Dinggau (1452)

  • Dürmentingen mit dem Schloss Bussen

  • pfandweise die Stadt Mengen

Eberhard von Tanne-Waldburg (genannt 1170 - 1234) gilt als der eigentliche Stammvater des Hauses Waldburg.

Detailauszug aus Elmar L. Kuhn: Adel im Wandel; Oberschwaben
von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart; Band 1,Ostfildern 2006
Karte des Fürstentums Waldburg (Kupferstich von Johann Heinrich Störcklein ca. 1728)

linkes Bild: Auszug aus einem kolorierten Kupferstich von Johann Heinrich Störcklein, um 1728
Die Patrone der fürstlichen Familie Waldburg, die heiligen Geschwister Wunibald, Willibald und Walburga
 
     
     
 

1452 verpfändete der Herzog Sigmund an Truchsess Eberhard von Waldburg seine Grafschaft zu Friedberg, samt dem Schloss und der Stadt Scheer
Der Pfandvertrag wurde wenige Tage später in einen Kaufvertrag umgewandelt.
Der Besitz in Scheer wurde 1452 in einem Urbar verzeichnet.

 
     
     
 

1452 wurde Scheer Residenz und Verwaltungssitz der eberhardschen Linie der Truchsessen von Waldburg

Herzog Sigismund von Tirol verkauft an den Truchsess Eberhard seine Grafschaft und Herrlichkeit zu Friedberg
samt Schloss und Stadt Scheer, die Burg, Burgstall, Stadtgrund, Gerichten, Zwingen, Bannen, Fischrechten, Steuern etc.
Dazu die Vogtei auf den Dörfern Tissen (Groß- und Kleintissen).
Dazu auch die Vogtei zu Bussen und zu Dürmentingen, die vorher schon dem Eberhard eigen war
um 32000 Gulden auf ein "ewiges und beständiges".

Die Waldburger Truchsessen hatten als Regenten der Grafschaft Friedberg-Scheer diese in Besitz bis 1786 ,
also 334 Jahre

 
     
 
 Zur Übersicht      Nach oben
 
     
 

Die rechtlichen Umstände des Kaufes der Grafschaft Friedberg-Scheer 1452 waren nach habsburgischem Recht fragwürdig

Der Verkauf widersprach den habsburgischen Hausverträgen von 1450: Sigmund von Tirol hätte den Besitz erst seinen Vettern anbieten müssen. Auch wurde das Verhältnis zwischen Sigmund und Truchsess Eberhard ab 1464 wegen der Silberminen in Eberhards Grafschaft Sonnenberg am Arlberg gespannt. Später war Kaiser Friedrich III. über den Verlust von habsburgischen Rechten verärgert, obwohl er noch 1469 die Zusage Herzog Sigmunds von 1454 bestätigt hatte, die an die Waldburger verpfändeten Donaustädte nicht auszulösen, solange der waldburgische Mannesstamm bestehe.



Die Waldburg mit Blick auf den Bodensee
 Ölbild im Braith-Mali-Museum, Biberach
 
  Als Herzog Sigmund in seiner Geldnot 1487 mit den Herzögen von Bayern über einen Verkauf Tirols, Vorarlbergs und Vorderösterreichs verhandelte, schritt Kaiser Friedrich dagegen ein und stellte auch die früheren Veräußerungen und Verpfändungen wie den Verkauf der Grafschaft Friedberg-Scheer von 1452 und besonders die Überlassung der Donaustädte als mannserbliche Inhabungen infrage und erklärte die waldburgischen Erwerbungen als erschlichen.  
     
  Seit dem 16. Jahrhundert wurden die Donaustädte, ab Anfang des 17. Jahrhunderts auch die Pfandschaften zu den österreichischen Landtagen gerufen und als Landstände behandelt, das heißt zur österreichischen Steuer gezogen und zu Kriegsdienst gerufen bzw. zu den Kriegskosten herangezogen, während die eigentliche Grafschaft Friedberg-Scheer nicht zu den österreichischen Ständen, sondern zum Schwäbischen Reichskreis gehörte. Dennoch wandten sich nicht nur die Untertanen der Donaustädte und Pfandschaften, sondern auch die von Friedberg-Scheer bei Belastungen und Unterdrückungen an Österreich als ihren vermeintlich eigentlichen Herrn um Hilfe.  
     
     
  1454 versicherte Herzog Sigmund von Tirol den Truchsessen Eberhard, Jakob und Georg von Waldburg, dass weder er, noch seine Erben die fünf Donaustädte, auch den Bussen, Winterstetten und Ellwangen von ihnen lösen werden. Erst wenn alle drei ohne männliche Erben sterben sollten, würden diese Städte und Herrschaften an das Haus Österreich zurückfallen.  
     
     
 

1455 wurde den Truchsessen von Waldburg die Hochgerichtsbarkeit verliehen.
Obwohl die Truchsessen bereits 1434 die Freiheit von "fremden Gerichten" innehatten, verlieh ihnen Kaiser Friedrich den "Bann über das Blut zu richten", also die Hochgerichtsbarkeit.

Hochgerichtsbarkeit
Hochgerichtsbarkeit, auch Halsgerichtsordnung, iurisdictio alta, iurisdictio criminalis: im Mittelalter dem Landesherren bzw. Fürsten vorbehaltene, später dem Gerichtsherren übertragene (dann oft Blut-, Ober- bzw. hohe Gerichtsbarkeit ius gladii genannte) Gerichtsbarkeit über schwere Straftaten.

 
     
     
  1460 begann der Krieg der Eidgenossen gegen die Habsburger
1460 tritt Truchsess Eberhard in den Dienst des Herzogs Sigmund und nahm als Mitglied der Rittergesellschaft
"St. Georgenschild" am Krieg gegen die Eidgenossen teil. Als politisches und militärisches Bündnis richtete sich die Eidgenossenschaft zunächst gegen die Habsburger.
 
     
     
 

1463 kam die in heute Österreichisch / Vorarlberger gelegene Grafschaft Sonnenberg hinzu
Im gleichen Jahr wurde die Sonnenbergsche Linie des Hauses Waldburg, also die des Truchsessen Eberhards, vom Kaiser in den Reichsgrafenstand erhoben.

 
     
     
     
 
 Zur Übersicht      Folgende Seite
 
     
 
  Impressum         Nach oben
  Kontakt   © CDU Stadtverband Scheer     Sitemap