1557 übernahm Truchsess Wilhelm II. von Waldburg, der Jüngere, die Regentschaft über Scheer

Wilhelm II, der Jüngere, Truchsess von Waldburg in Trauchburg
6. März 1518.–.17. Januar 1566
Freiherr und Truchseß von Waldburg, in Trauchburg, Friedberg, Scheer etc

 
     
     
 

Wilhelm d. Jüngere starb 1566 nach nur neun Jahren Regentschaft. Daraufhin erhielt die Stadt eine Vormundschaftsregierung.
1566–1578: erhielt die Stadt Scheer eine Vormundschaftsregierung

 
     
     
 
1578 übernahm Truchsess Christoph Karl
die Geschicke der Stadt nach dem Tode von Truchsess Wilhelm II. von Waldburg dem Jüngeren

  Truchsess Karl (verstorben 1593),
ein Sohn von Truchsess Wilhelm II., dem Jüngeren (verstorben 1566) hatte die Herrschaften Bussen und Dürmentingen inne.
 
     
     
 

1593 übernahm dann Truchsess Christoph die Geschicke der Stadt
Truchsess Christoph starb 1612, seine Regierung wird als die "Harte" geschildert. 

Hexenhinrichtung
Jacob Truchsess von der Scheer zu Waldsee (?) ließ am
10. Juni 1587 21 Hexen, am 11. Juni 9 und tags darauf nochmals 8 Hexen in "einem Brand" hinrichten.

Abbildung aus der Wickiana (Sammlung des Johann Jakob Wick, Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung Ms. F35, fol. 338R))

Die nebenstehende Abbildung zeigt eine "Hexenverbrennung in Scheer" 1587"
Nach der Chronik von Scheer, WALTER BLEICHER, zeigt sich anhand der "Renlinschen Karte des Jahres 1589, dass die Hexenverbrennungen nicht in Scheer, sondern in Unlingen bei Riedlingen stattfanden. Anno 1589 lagen die Truchsessen von Scheer mit den Herren von Hornstein-Göffingen wegen der Gerichtsgrenzen im Streit. Die in diesem Zusammenhang vom Ulmer Kartenmaler Renlin gefertigte Karte weist Unlingen als Hexenbrandplatz aus.

 
     
 
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Ihm folgte 1612 Truchsess Wilhelm Heinrich
Reichstruchsess Heinrich, Truchsess Christophs Sohn, , übernahm das Erbe und regierte bis 1652

 
     
     
 

Truchsess Wilhelm Heinrich verwaltete 40 Jahre die Gebiete in und um Scheer
Truchsess Christophs Sohn, Reichstruchsess Heinrich, übernahm das Erbe und regierte bis 1652.
Dieser verwaltete 40 Jahre die Gebiete in und um Scheer.

 
     
     
 

Reichstruchsess Heinrich baute
in dieser Zeit die

Loretto-Kapelle in Scheer

 
     
     
 

1652 herrschten die Grafen Christoph und Hans Ernst von Waldburg,
1658 folgten die Truchsessen Christoph Karl und Otto

Der Sohn Otto des Reichstruchsess Heinrich regierte bis 1663, anschließend Max-Wunibald bis 1717
1663 wurden diese von den Truchsessen Karl und Maximilian Wunibald abgelöst

 
     
     
 

1671 gab es Spannungen zwischen Truchsess Christoph Karl und dem Rathaus wegen der Leibeigenschaft.
Eine kaiserliche Untersuchungskommission versuchte zu vermitteln, doch Christoph Karl lenkte nicht ein.

 
     
     
  1672 Christoph Karl Truchsess Maximilian übernimmt die Vormundschaft und die Herrschaft
1672 übernahm wegen der unüberwindlichen Spannungen zwischen der Leibeigenschaft und Truchsess Christoph Karl Truchsess Maximilian die Vormundschaft und die Herrschaft.
Die Spannungen hielten jedoch weiterhin an. Die Scheerer Bürger weigerten sich, der neuen Herrschaft zu huldigen. Sie verweigerten die Frondienste und bezahlten die an Martini fälligen Steuern nicht. Daraufhin wurde ihnen die Huldigung vom Reichskammergericht befohlen. Auch 1673 verharrten die Scheerer Bürger auf ihrem Standpunkt, worauf Kaiser Leopold über das Gebiet die Sequestration verhängte.
 
     
     
 

1673 wenden sich die Bauern von Scheer an die Habsburger um Hilfe
Die Unzufriedenheit der Bauern wächst.

Misswirtschaft erzeugten eine zunehmende Unzufriedenheit der Bauern in der Grafschaft Friedberg-Scheer, die sich mit ihren Beschwerden daraufhin an Österreich wandten (1673). Dadurch wurden die alten Ansprüche Österreichs wieder geweckt. Der Graf trat 1680 schließlich die Grafschaft an Österreich ab – Marbach war erneut österreichisch geworden. Die Herrschaft vor Ort lag jedoch nach wie vor bei den Grafen von Scheer.

Viele Dokumente zeigen im weiteren Verlauf, dass diese nach wie vor wenig von einem zivilisierten Umgang mit ihren Untertanen hielten, wie z. B. ein urkundlich gut dokumentierter Rechtsstreit des Marbachers Benedikt Boscher mit der Scheerer Obrigkeit im Jahr 1722 zeigt.

Bauer beim Schärfen einer Sense, Stich um 1700  
 
     
 
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  1680 musste Waldburg die Grafschaft Friedberg Scheer als österreichisches "Lehen" in einem Vertrag anerkennen
Schließlich mussten die Truchsessen von Waldburg in einem Vertrag von 1680 mit Österreich die Grafschaft Friedberg-Scheer als österreichisches Lehen annehmen, während die Herrschaft Bussen als Mannlehen, genauer als "erbliche Mannsinhabung" bestätigt wurde; die Donaustädte fielen an Österreich zurück.
 
     
     
  1687 ließ Kaiser Leopold I. in seiner Eigenschaft als Erzherzog von Österreich das Oberamt Scheer in den Besitz des Reiches nehmen
Darauf erhielt Scheer den Titel „kaiserlich-erzfürstlich” und huldigte wieder der Obrigkeit.
 
     
     
 

1696 wurde der wieder zurückgekehrte Graf Maximilian Wunibald
von den Scheerer Bürgern in seinem Schloss am linken Donauufer auf der Burg Bartelstein eingesperrt

Die Bürger zwangen ihn zu einem Vergleich. Dies war möglich, da die obere Herrschaft von 1696 bis 1717 unter Administration stand.

Bild: Burg Bartelstein, altes Postkartenmotiv

 
     
     
     
 

Ab 1717 regierte Truchsess Josef Wilhelm das Oberamt Scheer

 
     
     
 


Barocker Stuck in St. Nikolaus Scheer

Truchsess Joseph Wilhelm von der Trauchburger Linie
Josef Wilhelm starb 1756

Graf Josef Wilhelm ließ die gotische Kirche in Scheer barockisieren
Die Barockisierung der Kirche hatte ihren Ursprung im Zeitgeist in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das Innere mit den „flammenden Stuckaturen“ in Altrosa ist Wessobrunner Stuckatoren zu verdanken. Puttenköpfe verzieren die Langhauskapitelle; Stuckmarmor ummantelt die Pfeiler des Langschiffes

Auch die Kanzel besteht aus Marmor.

 
     
 
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1756 folgte dessen einziger Sohn Graf Leopold August von Waldburg
Graf Leopold-August von Waldburg-Trauchburg starb 1764 kinderlos
Er war der letzte der drei Linien in Scheer.
Nach dessen Tod 1764 wurde die Grafschaft Scheer durch die Erben übernommen.  

 
     
     
 

Gräfin Anna Maria Monica, war die Witwe von Graf Leopold-August von Waldburg-Trauchburg

Leopold August von Waldburg zu Trauchburg (1728-1764)
war seit 1753 verheiratet mit Gräfin Anna Maria Monica
Sie verblieb als letzte fürstliche Bewohnerin im Schloss in Scheer
Anna Maria Monica verstarb am 17. Juni 1775 in Scheer.

 

Gräfin Anna Maria Monica
(Chronik Scheer; Walter Bleicher)

 
     
     
  1755 wurde auf kaiserliche Anordnung in den gesamten österreichischen Erblanden ein Normalschulinstitut eingeführt. Zur Belebung desselben sollten die Untertanen wenigstens in etwas zu Geldbeiträgen herangezogen werden.

Einen wesentlichen Beitrag leistete für den Bereich der Grafschaft Friedberg-Scher die Gräfin Anna Maria Monika. Sie rief im Jhr 1775 durch Testamentsverfügung den sog. "Landschaftlichen Hausarmen- und Schulfonds" ins Leben, in welchem sie in Artikel 2 bestimmte:
 
     
 

"Zum Andenken und zum Nutzen der Stadt Scheer legiere ich zu einer hiesigen besseren Schuleinrichtung und zu besserer Besoldung der hiesigen Lehrer drei tausend Gulden (id est fl. 3000), welche bessere Einrichtung ich die hiesige Ortsherrschaft mit Zuziehung eines zeitlichen Pfarrers treffen zu lassen, bestens ersucht haben will und stelle ich dieser anheim, ob dieses Capital der fl. 3000 - bey der Landschaft belassen oder bei der heiligen Geistespflegschaft zu Scheer versichert, und verzinslich angelegt werden solle."  Am 12. Oktober."

BLEICHER, WALTER (1989), Chronik der ehemaligen Residenzstadt Scheer/Donau

 
     
     
 
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Nach dem am 1. Oktober 1764 erfolgten kinderlosen Ableben des Reichs-Erbtruchsessen und Grafen Leopold-August zu Friedberg und Trauchburg, Freiherr auf Waldburg, Herr zu Scheer, Dürmentingen, zu Bussen und Kissleg, waren seine nächsten legitimen Nachkommen:

Franz-Karl, Fürst und Bischof zu Chiemsee, Graf zu Trauchburg

Franz-Ernst, Graf zu Wurzach

Joseph-Franz, Graf zu Wolfegg

Gebhard-Xaver, Graf zu Waldsee

Das Ende der Waldburger Zeit in Scheer war besiegelt, da Inflation und Währungsreform das restliche Vermögen auffraßen.

 
     
     
 

"Habsburger Pfau“ mit den Wappen der Herrschaften
des Hauses Habsburg, 1555

Der Verkauf der Grafschaft Friedberg-Scheer an die Waldburger war seitens der Habsburger bis zu diesem Zeitpunkt umstritten
Ähnlich wie die Sigmaringer Hohenzollern haben auch die Waldburger in Scheer vom 16. bis ins 18. Jahrhundert schier endlose Auseinandersetzungen mit den Habsburgern

  • zum einen mit dem Hause Habsburg selbst um den Pfand- oder Lehenscharakter der Grafschaft

  • zum anderen mit den  eigenen Untertanen und Leibeigenen, die unter die österreichische Herrschaft teils mit Gewalt zurück streben

Die an Waldburg verpfändeten benachbarten Donaustädte kehren 1680 wieder unter direkte österreichische Herrschaft zurück. Die Grafschaft Friedberg-Scheer verbleibt als österreichisches "Mannlehen" unter dem ungeliebten Regiment der Truchsesse.

 
     
     
 
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