Verkauf der Grafschaft Friedberg-Scheer

1785 wurde nach dem Aussterben der Scheerer Linie der Waldburger zu einem horrenden Preis der Verkauf von Friedberg-Scheer an die Fürsten von Thurn und Taxis beschlossen. Diese waren durch das kaiserliche Postregal reich gewordenen.

Die Fürsten von Thurn und Taxis erlangen in der ihnen von Österreich verliehenen reichsunmittelbaren gefürsteten Grafschaft endlich die erstrebte "fürstenmäßige" Besitzgrundlage für die Reichsstandschaft.

 
     
     
     
 

Karl Anselm erwarb in Jahre 1785 die schwäbische Grafschaft Friedberg-Scheer,
diese wurde 1786 übergeben
Die Grafschaft Friedberg Scheer wird daraufhin von Kaiser Joseph II.  zur „Gefürsteten Grafschaft“ erhoben
Karl Anselm musste dafür fast die gesamten Erträgnisse der Post aufwenden.

 
     
     
  Eine Kondominatskommission der Truchsesse von Waldburg übergab die Besitzungen der Grafschaft
am 27. Juli 1786

Nachdem die verschiedenen Linien des Hauses Waldburg zwischen Februar und April 1786 dem Verkauf zugestimmt hatten, übergab eine truchsessische Kondominatskommission die Besitzungen am 27. Juli 1786 einer Thurn und Taxisschen Kommission zu Scheer. Schließlich bestätigte Kaiser Josef II. am 16. Juli 1787 den Kauf und übergab die bisherigen Herrschaften als freie, gefürstete Grafschaft Friedberg-Scheer am 5. November 1787 dem Fürstlichen Hause Thurn und Taxis als Lehen. Daraufhin erhob Kaiser Joseph II. die Grafschaft zur „Gefürsteten Grafschaft“.
 
     
     
     
 

Karl Anselm von Thurn und Taxis

François Gérard: Karl Alexander von Thurn und Taxis,
Öl auf Leinwand, um 1810

Vertrag vom 22. Oktober 1785

Durch den Vertrag von 22. Oktober 1785 verkaufen die 4 Linien des Hauses Waldburg die Grafschaft Friedberg-Scheer mit den Herrschaften Dürmentingen und Bussen

an den Fürsten Karl-Anselm von Thurn und Taxis für die Summen von 2.100.000 Gulden,
der jährliche Ertrag soll nur zu 26.000,- Gulden (fl.) berechnet gewesen sein

1786 wurde der Kauf vom Kaiser genehmigt
Fürst Karl-Anselm von Thurn und Taxis wurde durch den Kauf reichsgefürstet und erhielt Sitz und Stimme im Reichstag.

Im Jahre 1805 fielen die Hoheitsrechte an das Königreich Württemberg.

 
     
     
     
 

Karl Anselm von Thurn und Taxis, Generalerbpostmeister
geboren am 2. Juni 1733 in Frankfurt am Main; gestorben am 13. November 1805 in Winzer bei Regensburg
Er war ein Sohn von Alexander Ferdinand von Thurn und Taxis. Nach dem Tod seines Vaters am 17. März 1773 wurde er Generalerbpostmeister der Kaiserlichen Reichspost, die durch die Eroberungen Napoleons und letztendlich mit der Niederlegung der Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches durch Franz II. im Jahre 1806 ihr Ende nahm.

Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches konnte ein Teil der Kaiserlichen Reichspost unter Karl Anselm (Alexander) von Thurn und Taxis als Privatunternehmen überleben. So leitete er seit dem Jahre 1806 ein Postunternehmen, die Thurn-und-Taxis-Post, zunächst als Lehen einiger Rheinbund-Mitglieder wie Baden, Bayern und Württemberg.  

 
     
     
     
 

1786 war die Herrschaft der Scheerer Grafen zu Ende:

Die gesamte Grafschaft Friedberg-Scheer war am 27. August 1786 für 2,1 Millionen Gulden ( fl ) an den Fürsten Karl Anselm von Thurn und Taxis verkauft worden. 

 
     
     
     
  1798 wurden in Scheer französische Soldaten einquartiert, es kam zu Plünderungen und Truppendurchmärschen
 Am 28. Januar 1799 wurde bei Hochwasser die Donaubrücke und ein Haus in Scheer weggerissen
 Ein anderes Haus wurde zur Hälfte weggeschwemmt.
 
     
 
 Zur Übersicht      Nach oben
 
     
     
  Zeitdokument für diese Geschehnisse finden sich in der Schlacht bei Ostrach  
     
 

Schlacht bei Ostrach der Österreicher gegen die Franzosen am 21. März 1799  

In der kalten und nebligen Nacht zum Gründonnerstag führte der Fluss Ostrach Hochwasser.
Da trafen beim damals 300-Seelen-Dorf Ostrach französische Truppen mit etwa 18.000 Soldaten auf etwa 52.000 Soldaten des österreichischen Koalitionsheers ein. Morgens um drei griffen sämtliche österreichischen Avantgarden, die Feldmarschall Nauendorf unterstand, an. Die erste Kolonne auf dem rechten Flügel unter Feldmarschallleutnant Karl Aloys zu Fürstenberg, zwangen die französische Kavallerie zurück. Rund 70.000 Soldaten lieferten sich eine blutige Schlacht. Um die Mittagszeit war das Aufeinandertreffen beider Armeen beendet.
Die Franzosen zogen sich durch den Wald nach Pfullendorf zurück.



Schlacht bei Ostrach der Österreicher gegen die Franzosen
am 21. März 1799
 
     
     
 

Die Dorfbevölkerung von Ostrach versteckte sich während der Schlacht mit ihren Familien in ihren Kellern. Wunibald Knoll, damals alemanischer Briefträger, schrieb es für die Nachwelt auf:

„Wir krochen aus unseren Höhlen hervor und athmeten wieder etwas freyer.

Aber welch gräßlicher Anblick zeigte sich aller Orten! Todte, Blessierte lagen überall....“

„Alle heisser sind durchschossen, und dennoch niemand blesiert worden von den burgersleithen.

Dem Bader ist verschossen worden mit einem Kanonenkugel ein Roß und zwei Ochsen, sonst aber ist im Dorf niemand beschädigt worden.

Daher ist dieser Tag gefeyert worden, weil alles so gliklich ist durchkommen, es hätte alles kennen verbrend werden. Gott sey tausend mal Dank.“

Anstatt die Auferstehung Christi zu feiern, sammelte man tagelang auf den Feldern Tausende von Leichen ein.

 
     
 
 Zur Übersicht      Nach oben
 
     
 

Nachwirkungen der Schlacht von Ostrach

Die französischen Truppen zogen sich nach Stockach zurück. Dort kam es vier Tage später am 25. März 1799 zur Schlacht bei Stockach, die erneut die Österreicher gewannen. Am 21. März 1799 kamen bei Ostrach 4.400 Menschen ums Leben - allerdings war kein einziger Ostracher darunter. Verluste auf französischer Seite 2.257 Mann, auf österreichischer Seite 2.113 Mann.

Im Gedenken an die Schlacht bei Ostrach 1799 wurde am 17. Mai 1903 durch den Veteranenverein Ostrach der Grundstein für ein Denkmal auf dem Buchbühl gelegt. Der Entwurf stammt vom hohenzollerischen Architekten und Landeskonservator Wilhelm Friedrich Laur.

 
     
     
     
   
 


Ansicht der Stadt Scheer
Kupferstich etwa 1800

Mark Hengerer und Elmar L. Kuhn: Adel im Wandel; Oberschwaben von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart; Band 1,Ostfildern 2006

 
     
     
     
     
 

1803 wird die gefürstete Grafschaft Friedberg-Scheer dem Reichsfürstentum Buchau angegliedert

Beim Einfall der französischen Truppen in die Österreichischen Niederlande in Jahre 1794 wurden die dortigen Besitztümer der Thurn und Taxis beschlagnahmt.
Mit dem weiteren Vorrücken der französischen Truppen gingen sämtliche linksrheinischen Besitztümer der Thurn und Taxis verloren. Zum Ausgleich erhielt Karl Anselm von Thurn und Taxis im Jahre 1803 laut Artikel 13 des Reichsdeputationshauptschlusses weitere schwäbische Ländereien, wie die Reichsstadt Buchau, das Damenstift Buchau, die Reichsabtei Marchtal und Neresheim, das Amt Ostrach und einige Dörfer, sodass die gefürstete Grafschaft Friedberg-Scheer als Reichsfürstentum Buchau ein relativ geschlossenes Territorium bildete.

 
     
 
 Zur Übersicht      Nach oben
 
     
 

1806 wurde am 21. September den Scheerer Bürgern mitgeteilt, dass sie durch den Rheinischen Vertrag an Seine Majestät, den König von Württemberg gekommen sind.

Im gleichen Jahr wurde noch ein königlicher Grenzzollwächter angestellt. Die Stadt verlor dadurch ihre Haupteinnahmequelle.

Am 12. und 16. Juli 1806 unterzeichneten 16 Abgesandte deutscher Fürsten die Rheinbundakte. Damit kündigten sie an, sich formell vom Reich loszusagen und schlossen sich in einer Konföderation und Militärallianz mit Frankreich zusammen, als deren Protektor Napoleon fungierte. Am 1. August 1806 erfolgte dann die förmliche Austrittserklärung aus dem Reichsverband.
Der Kaiser Franz II. musste der Aufkündigung der Zugehörigkeit zum Reich tatenlos zusehen.
Das Ende des Reiches und die Niederlegung der Krone war daraufhin unausweichlich geworden.



Rheinbundakte vom 12. Juli 1806 mit der Unterschrift Napoleons
Exemplar für das Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen, Paris/Sigmaringen 12./19. Juli 1806; Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Sigmaringen

 
     
     
 
 
Kaiser Franz II.

Der Versuch von Johann Philipp von Stadion, als maßgeblicher österreichischer Außenpolitiker in dieser Situation zu taktieren, scheiterte.

Als Reaktion auf ein Ultimatum Napoleons legte Franz II. am 6. August 1806 die deutsche Kaiserwürde nieder und entband die Reichsstände von ihren Pflichten gegenüber dem Reich.

1808 hatte der Rheinbund die größte Ausdehnung erreicht: Er umfasste vier Königreiche, fünf Großherzogtümer, dreizehn Herzogtümer, siebzehn Fürstentümer.

 
 
 
     
 
 Zur Übersicht      Folgende Seite
 
     
 
  Impressum         Nach oben
  Kontakt   © CDU Stadtverband Scheer     Sitemap