Neuzeit  
     
 
1806 kam Scheer auf Grund der Rheinbundakte an das Königreich Württemberg
Noch im gleichen Jahr wurde ein königlicher Grenzzollwächter angestellt. Die Stadt verlor dadurch ihre Haupteinnahmequelle.
  Königreich Württemberg 1806 - 1918
 
     
  Von 1825 bis 1827 wurde die Stadtbefestigung, darunter auch das Donautor und das Mengener Tor, weitgehend abgebrochen. In diesem Zusammenhang wurde vom Stadtrat versucht, ein Haus am Menger Tor „warm abzubrechen”, was aber misslang. Es brachte lediglich den Scheerer Bürgern den Spitznamen „Mußbrenner” ein. Der „Mußbrenner” ist seitdem eine bekannte Scheerer Fasnachtsfigur. Außerdem kostete diese vorsätzliche Brandlegung auch den Stadtschultheißen Hummler die Stellung.  
     
  1828 hielt sich der Pfarrer und Dichter Eduard Mörike erstmals in Scheer auf
Er besuchte seinen Bruder, den Amtmann Karl Mörike.
 
     
  1838 wurde mit dem Rathausneubau begonnen. Das alte, baufällige Rathaus wurde um 905 Gulden auf Abbruch verkauft. Der Rathausneubau wurde im Jahre 1840 mit insgesamt 10 500 Gulden abgerechnet. Im Erdgeschoss befand sich die Wohnung des Ratsdieners und ein Arrestlokal, im 1. Stock die Amtsräume und im 2. Stock die Wohnung des Stadtschultheißen.  
     
  1844 beschloss der Rat, keine neuen Bürger mehr in Scheer aufzunehmen und keine Ortsansässigen mehr heiraten zu lassen, da das „übermäßige Heiraten“ die Hauptursache für die sich mehrende Bevölkerung und die damit verbundene Verarmung sei.  
     
 
1848 wurde nach der Märzrevolution  durch Gesetz die Volksbewaffnung vorgeschrieben. Jeder Pflichtige hatte die Waffen selbst zu beschaffen. Der Rat und der Bürgerausschuss beschlossen jedoch am 23. Juli, dass „sämtliche Armaturstücke” von der Stadtkasse beglichen werden und auch im Besitz der Stadt verbleiben. 1849 wurde die Einrichtung einer Bürgerwehr beschlossen.
 
     
  Da sich der Donauverlauf unterhalb der Stadt seit 1820 um mehr als 100 Meter verschoben hatte und dadurch eine große Insel entstanden war, entschloss sich der Rat 1851 zur Begradigung des Flusses, um die Hochwassergefahr einzudämmen. Die Donaukorrektion wurde 1851 abgeschlossen.  
     
 
1866 wurde das Eisenbahnbauamt wurde in Scheer einquartiert
Damit einhergehend erhielt Scheer eine Telegraphenstation und ein Postamt. Im November 1870 wurde die Bahnstrecke Mengen - Scheer der Donautalbahn feierlich eröffnet. Wegen des deutsch - französischen Krieges wurde zunächst nicht weitergebaut, so dass Scheer vorerst Endstation der Strecke Ulm - Sigmaringen blieb. 1871 wurde in Richtung Sigmaringen weitergebaut. Am 26. Juli 1873 war dann die Bahnstrecke Scheer - Sigmaringen fertig gestellt.
 
     
  1880 wurde die hölzerne Donaubrücke abgebrochen und durch eine Steinbrücke ersetzt.
1881 konnte die Brücke nach dem Wiederaufstellen des Brückenheiligen eingeweiht werden.
 
     
  1899 richtete im Januar ein schwerer Sturm an Gebäuden und im Wald große Schäden an. Die starken nachfolgenden Regenfälle ließen die Donau in der Nacht vom 14. / 15. Januar stark anschwellen. Das Wasser stieg auf vier Meter über dem gewöhnlichen Stand und überschwemmte die Stadt vollständig.  
     
  1903 wurde ab dem 1. Februar die Straßenbeleuchtung in Scheer auf elektrischen Strom umgestellt.  
     
     
 

Großbrand 1910

Am 29. November 1910 zerstörte ein Großbrand in der Nordostecke der Stadt Häuser am Graben und den „Hohbühl”.
Mit dem „Hohbühl” und der genannten Häusergruppe, die auf der Stadtmauer aufgebaut war, ging ein charakteristischer Teil von Scheer verloren.

Der „Hohbühl” war ein gotisches Gebäude, das zwischen 1470 und 1480 erbaut worden war.

 
     
 
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  Am 31. Juli 1914 zog mit Beginn des Ersten Weltkrieges eine militärische Bahnschutzwache im
Stationsgebäude Scheer ein.
 
     
  Im Verlaufe des Ersten Weltkrieges rückten aus Scheer 264 Männer ein. 44 fielen, sieben kamen in Gefangenschaft.  
     
  Am 24. und 25. Dezember 1918 stand die Stadt einen Meter unter Wasser. Der Wasserstand stieg von 0,73 m auf 3,75 m.  
     
  1932 bei der Reichspräsidentenwahl zählte Scheer 804 Stimmberechtigte.
Von den 659 abgegeben Stimmen, die alle gültig waren, erhielten: Paul von Hindenburg 550, Adolf Hitler 71,
Ernst Thälmann 28, Theodor Duesterberg 10.
 
     
  Am 21. März 1933 fand die erste nationalsozialistische Kundgebung statt, die mit einem „Freudenfeuer” auf dem Schachen endete. Am 31. März wurde durch das vorläufige Reichsgesetz zur Gleichschaltung der Länder der Gemeinderat aufgelöst. Die vorläufige Vertretung übernahm der Bürgermeister. Am 1. Mai, dem damals so genannten Tag der „nationalen Arbeit” trat erstmals die SA in Uniform auf. An der Kreuzung nach Heudorf wurde eine Eiche gepflanzt, die „Hitlereiche”. Auf „Antrag” der Anwohner der Friedhofstraße (Gemminger Straße) wurde diese in Adolf-Hitler-Straße umbenannt.  
     
  Am 25. Juni 1935 wurde Süddeutschland von einem schweren Erdbeben heimgesucht
Der Erdstoß dauerte nur 4–5 Sekunden, war aber sehr heftig. Diesem Hauptstoß folgten noch mehrere Nachbeben. Scheer war der am stärksten betroffene Ort. Fast kein Gebäude war ohne Schaden geblieben. Das Schloss war unbewohnbar geworden. Der Schlosshof war mit Trümmern übersät. Die seit 400 Jahren auf den Schlossgiebeln angebrachten Statuen fielen herunter. Die Kirche wies fingerbreite Risse auf. Die Deckengemälde im Chor wurden zerstört. Die Kirchenmauer zur Stadt war gerissen und zum Teil abgerutscht.
 
     
  Am 26. August 1939 war Mobilmachung und viele Scheerer wurden einberufen
Am 11. September hatte Scheer den ersten Gefallenen zu beklagen: Hermann Zimmerer, fiel im Alter von 23 Jahren in der Schlacht bei Osik.
 
     
  1941 wurden die ersten kriegsgefangenen Franzosen im Schloss untergebracht.
Sie wurden täglich zur Arbeit in die Papierfabrik geführt. 1942 wurden in Scheer die gefangenen Franzosen abkommandiert und durch „Ostarbeiter” ersetzt, meist ehemalige russische Soldaten, die übergelaufen waren. Sie erfuhren dadurch eine bessere Behandlung als die Kriegsgefangenen.
 
     
  Das Jahr 1945 begann mit großer Kälte im Januar.
Auf der Mengener Straße wurde ein Soldat wegen Befehlsverweigerung erschossen. Am 21. April wurde die Brücke von der SS gesprengt. Am 28. April erfolgte die Sprengung der Eisenbahnbrücke. Gegen 14 Uhr fuhren aus Richtung Mengen französische Panzer nach Scheer und besetzten kampflos die Stadt. Ein Mädchen war ihnen mit weißer Fahne entgegen gelaufen.
 
Die Stadt wurde drei Tage den eingerückten Truppen „freigegeben”. Tatenlos sah der französische Kommandant zu, wie die Soldaten, Elsässer und größtenteils Marokkaner, bestehende Geschäfte und Privathäuser plünderten, sowie zahlreiche Vergewaltigungen begingen.
 
     
  Die Stadt Scheer beklagte als Folge des Zweiten Weltkrieges insgesamt 55 gefallene und 31 vermisste Soldaten,
237 kehrten wieder aus dem Krieg zurück.
 
     
  Ab 16. Oktober gehörte die Stadt Scheer zum französisch besetzten Württemberg-Hohenzollern.  
     
  1946 trat der Bürgermeister in den Ruhestand, von der französischen Besatzungsmacht wurde der Polizeiwachtmeister i. R. Hans Heiß als ehrenamtlicher Bürgermeister eingesetzt.  
     
  Der letzte Nachtwächter von Scheer, Xaver Will, der dieses Amt seit 1913 ausübte, ging in den Ruhestand. Danach wurde die Stelle nicht mehr besetzt.  
     
 
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  Am 23. Juli 1946 begann der Neubau der Donaubrücke.  
     
  Am 13. Oktober 1946 fand die erste Wahl (Kreistagswahl) nach dem Krieg statt
427 von 767 Wahlberechtigten beteiligten sich daran. 
Es erhielten die CDU 703 Stimmen, die SPD 748, KPD 179 und die DVP 61.
 
     
  1947 hatte die Besatzungsmacht in Scheer immer noch 32 Familien einquartiert
Für sie waren zuvor Häuser beschlagnahmt worden, deren Bewohner umgehend ausziehen und ihre Einrichtungsgegenstände zurücklassen mussten.
 
     
  In Scheer waren im Januar 70 Evakuierte und Heimatvertriebene registriert. Die Wohnungsnot machte eine Zwangsbewirtschaftung der Wohnungen notwendig. Der Kindergarten zählte über 100 Kinder.  
     
  Am 1. Oktober 1947 wurden, in Anwesenheit des Landrates, 32 Scheerer Männer zum Brückenbau zwangsverpflichtet
Am 4. März 1948 konnte die Donaubrücke eingeweiht werden. Anwesend waren Vertreter der französischen Militärregierung und zivile deutsche Amtsträger von Land und Kommune. Am 7. Juli 1948 wurde mit dem Bau der neuen Eisenbahnbrücke begonnen. Am 14. April 1949 wurde die Eisenbahnbrücke ohne besondere Feierlichkeit dem Verkehr übergeben.
 
     
  1949 erhielt Scheer 200 Heimatvertriebene zugewiesen.  
     
  In den Jahren 1952 und 1953 wurde für die Wasserversorgung ein 130 m tiefer Schacht durch das Juragestein gebohrt
Im Frühjahr 1953 wurde man fündig. Die daraufhin erstellte neue Wasserversorgung wurde am 20. Januar 1954 in Betrieb genommen.
 
     
  Im Mai 1967 kaufte der Schriftsteller Dr. Erich Schneider-Leyer vom Fürsten von Thurn und Taxis das Schloss und den Park für 38 000 DM
Den 13 Familien die dort wohnten, wurde auf Mai 1968 gekündigt.
Erich Schneider-Leyer holte die ersten Dogo Argentino nach Europa auf Schloss Scheer. Er war der Erste, der in Europa und Deutschland Dogo Argentinos züchtete.
 
     
  1968 wurde das Stadtwappen in die heutige Form geändert.  
     
  Ab Mai 1968 wurde von der Bahn der Güterverkehr in Scheer eingestellt und in den Bahnhof Mengen verlegt.  
     
  1973 trat die Kreisreform in Kraft
Scheer kam vom Altkreis Saulgau zum Landkreis Sigmaringen. Im Zuge der Gemeindereform kam Heudorf 1974 zu Scheer.
 
     
  Die Fasnets-Konde übergaben 1975 den von ihnen errichteten Konde-Brunnen auf dem Hindenburgplatz der Öffentlichkeit.  
     
  Am 7. Februar 1980 hatte die Stadt die größte Donauflut seit dem Hochwasser von 1919
Der Pegelstand an er Donaubrücke betrug 2,70 m. Die Donau überflutete die ganze Unterstadt.
 
     
  1981 wurde die Kläranlage in Betrieb genommen  
     
  Am 28. Mai 1983 hielt der letzte planmäßige Zug in Scheer
Der Bahnhof wurde geschlossen und verkauft. Er wird nun als Hotel genutzt.
 
     
     
     
 
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